chrismon: Wenn Sie über das Universum sprechen, kommen unvorstellbare Zahlen vor. Sie erklären etwa, dass etwas in 10 hoch 100 Jahren geschehen könnte. Da wird einem deutlich, wie winzig klein und unwichtig wir Menschen sind.
Heino Falcke: Wir leben – und das wissen wir alle – zwischen Geburt und Tod. Das Universum lebt zwischen Urknall und Apokalypse. Daran kommen wir nicht vorbei. Und damit müssen wir umgehen.
Es gibt ja im Grunde zwei Möglichkeiten, mit dieser unendlichen Weite umzugehen. Es kann einen demütig machen, dann sagt man: Ich bin nicht so wichtig, ich soll mich nicht so aufspielen. Oder es kann einen mutlos machen, weil man denkt: Was soll ich mich anstrengen? Ich kann doch ohnehin nichts ausrichten …
Wir sind Kekskrümel in den Weiten des Raums. Wir sind ein Augenzwinkern in den Äonen der Zeit. Andererseits hat das Universum genau diesen Raum und diese Zeit nötig gehabt, um uns hervorzubringen. Und wir sind schon etwas sehr Besonderes. Wenn man den Rest des Universums anschaut: Ein kleiner Bruchteil der Materie vom Anfang ist in Planeten geendet. Nur ein viel, viel kleinerer Bruchteil der Materie ist am Ende in uns geendet. Aber in uns denkt das Universum über sich selbst nach.
Was meinen Sie damit?
Die Protonen, die in uns sitzen, sind alle im Urknall gewesen. Und das sind die verschwindend wenigen Protonen und Atome, die, weil sie eben in uns sitzen, jetzt das Vorrecht haben, über das Universum nachzudenken. Wir denken darüber nach, welche Bedeutung das alles hat. Und das gibt uns, denke ich, schon auch eine besondere Verantwortung – für uns selbst und für diese Welt, damit wir weiterdenken können und weiter schöne Dinge produzieren können.
Aber kennen Sie das Gefühl, dass die ganze unendliche Weite mutlos machen kann?
Für mich ist das Universum tatsächlich ein wunderschöner Spielplatz. Ein Garten, der riesig ist, den ich erkunden darf, wo ich versuchen kann, die Zukunft zu gestalten.
Vielleicht stellt sich irgendwann heraus, dass wir in diesem Universum nicht die Einzigen sind, die auch noch über das Universum nachdenken.
Aber das ändert doch nichts an der Sache. Die Tatsache, dass es auch andere Menschen gibt, die schöne Dinge produzieren, nimmt mir nicht die Bedeutung dessen weg, was ich auch machen kann in dieser Welt. Wenn es woanders Zivilisationen gibt, ist das wunderbar. Dann versuchen wir, die kennenzulernen und zu hören, was die denn da so wollen und denken und glauben.
Glauben Sie denn, dass es anderes Leben gibt?
Das ist durchaus denkbar. Und wenn, ändert es nichts daran, dass es nur ein verschwindend kleiner Bruchteil dieses Universums ist, dem es vergönnt ist, zu leben und zu denken und zu handeln. Jede Sekunde unseres Lebens ist wertvoll.
