Bei meiner vorherigen Arbeitsstelle hatte ich einen Chef, der privat Probleme hatte, unter denen seine und meine Arbeit gelitten hat. Ich habe gemerkt, wie ich mit der Zeit immer unzufriedener wurde und kein Verständnis mehr aufbringen konnte. Was hätten Sie mir geraten?
Kristina Oldenburg: Anzusprechen, wie es Ihnen mit der Situation geht. Konkret benennen ist immer gut, weil das Ganze schwerer wiegt, wenn es wie ein Gespenst im Raum schwebt. Es ist ein Signalzeichen, wenn Sie merken, dass Sympathie verloren geht. Empathiefähigkeit ist etwas, das über Kommunikation läuft und trainiert werden muss wie ein Muskel. Dabei ist es normal, zwischen Nähe und Distanz zu wechseln.
Ich muss also eine Balance finden zwischen Verständnis zeigen und Grenzen ziehen?
Genau. Das Gespräch klärt, was der andere gerade braucht und was nicht geht. Um bei sich zu bleiben, ohne den anderen zu übersehen, können Supervision und Coaching Formate sein, wo ich das reflektieren kann. Vielleicht findet man nicht immer eine Win-win-Lösung. Aber in dem Moment, in dem man darüber spricht, weiß man schon, der andere hört mich, und damit ist schon viel gewonnen. Weil es ihm nicht egal, sondern wichtig ist, dass wir miteinander einen Weg finden.
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Am 19. Februar um 19 Uhr ist Kristina Oldenburg zu Gast im chrismon-live Webinar "Mit Gefühl - 7 Wochen ohne Härte". Wie kann man sich die Sensibilität bewahren, empathisch bleiben im Berufsalltag? Diese und weitere Fragen diskutiert chrismon-Chefredakteurin Claudia Keller mit dem Pfarrer Frank Muchlinsky und der Mediatorin Kristina Oldenburg. Die Teilnehmer sind nicht zu sehen und zu hören, können aber Fragen stellen.
Sie bekommen vor dem Termin einen Zoom-Link zugeschickt. Später steht eine Aufzeichnung auf chrismon.de bereit.
