Irgendwann mitten in der Nacht ist es voll. Ich lasse mich treiben. Aus einem Raum, der Räuberhöhle heißt, höre ich "Can’t Get You Out of My Head" von Kylie Minogue in einem Remix, den ich so schnell nicht wieder vergessen werde. DJ Marla Roots gibt dem Publikum einen Hit nach dem anderen. Sie sitzt in einem Rollstuhl am Mischpult.
Manche Songs spielt sie nur wenige Sekunden an, um dann zum nächsten Banger zu kommen. Vor ihr eine tanzende Menge, die vom langsamen Pärchentanz schnell zum Eurotrash wechseln muss. Ein Mann steht auf einer Empore und überwacht das Geschehen mit ausdrucksloser Miene. Aus seiner Hosentasche lugen zwei Bananen wie Pistolen hervor. Er ist der Spaceship-Sheriff.
Einen Raum weiter rappt eine irre Gruppe aus Belgien. Ein Rollstuhl am Rand wird als Jackenablage verwendet. An der Bühne sitzt ein junger Mann und liest in einem Kochbuch für Nudelgerichte, während vor ihm die Menge tobt. Im Clubgarten fällt ein Jenga-Turm in sich zusammen. Eine junge Frau zupft mich am Ärmel. "Darf ich dir was sagen", fragt sie. Sie heißt Bianca. Als ich nicke, zieht sie mich zu sich herunter und flüstert mir ins Ohr: "Die Polizei ist geil." Auf was für einem Planeten bin ich hier nur gelandet?
Ein paar Stunden zuvor stand ich noch in der Schlange vorm Club. Was erwartet mich hier heute Nacht? Worauf habe ich mich eingelassen? Es ist Anfang Januar, wenn Berlin am kältesten ist und man sich jeden Abend genau überlegt, ob man nicht lieber daheimbleiben will. Diesen Samstag siegt der Drang, auszugehen.
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