Ein Mädchen fährt auf dem Rad durch die Region, in der das Atomendlager in der vorgesehenen Standortregion Nördlich Lägern in Stadel ZH
Ein Maedchen faehrt auf dem Rad durch die Region in der das Atomendlager in der vorgesehenen Standortregion Noerdlich Laegern in Stadel ZH am Montag, 12. September 2022. Die Nagra (Nationale Genossenschaft fuer die Lagerung radioaktiver Abfaelle) schlaegt nach fast 50-jaehriger Standortsuche die Region Noerdlich Laegern in der Zuercher Gemeinde Stadel fuer das Endlager von radioaktivem Abfall vor. Baustart ist fuer das Jahr 2045 vorgesehen, erste Abfaelle koennten um das Jahr 2050 eingelagert werden. (KEYSTONE/Ennio Leanza)
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Jetzt gefunden, 2060 in Betrieb – vielleicht!
Die Schweiz hat sich auf einen Standort für ihren Atommüll festgelegt. In Deutschland sind wir noch lange nicht so weit. Was wir von der Schweiz lernen können.
Tim Wegner
13.09.2022

Die Fachleute der Nagra, der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle, haben gesprochen: Der Schweizer Atommüll soll nahe der Grenze zu Deutschland endgelagert werden. Ein Vergleich: Es geht um hoch radioaktiven Abfall, der acht Einfamilienhäuser füllen würde, 9300 Kubikmeter. Hinzu kommt noch deutlich mehr an schwach bis mittel radioaktivem Abfall.

Tim Wegner

Nils Husmann

Nils Husmann ist Redakteur und interessiert sich besonders für die Themen Umwelt, Klimakrise und Energiewende. Er studierte Politikwissenschaft und Journalistik an der Uni Leipzig und in Växjö, Schweden. Nach dem Volontariat 2003 bis 2005 bei der "Leipziger Volkszeitung" kam er zu chrismon.

Die Suche hatte mehr als ein Jahrzehnt gedauert, der Ansatz gilt als vorbildlich. Denn um die Akzeptanz der Bevölkerung sicherzustellen, sollte allein die Geologie entscheiden. Das ganze Land – ein potenzielles Endlager, eine weiße Landkarte, auf der am Ende aber nur wenige weiße Flecken geblieben waren.

Nach Ansicht der Schweizer Experten hat nun Opalinuston das Rennen gemacht, dieses Gestein ist nördlich von Zürich tief unter der Erde zu finden. Während sich die Landschaft an der Erdoberfläche verändere, bleibe das Tiefenlager am besten geschützt, weil das Gestein dort stabil sei, teilt die Nagra mit.

In Deutschland ist ein vergleichbares Auswahlverfahren angelaufen, es soll 2031 enden. Es war die Lehre aus dem Fiasko im niedersächsischen Gorleben; der Standort war aus politischen, nicht aus wissenschaftlichen Erwägungen ausgewählt worden. Salopp formuliert: Man hatte der DDR den Müll unter den Grenzzaun kippen wollen.

Die Empfehlungen der Schweizer Nagra hält für Deutschland einige interessante Lehren bereit. Denn die Gesteinsschicht aus Opalinuston wird, tief unter der Erde, wohl kaum an der Grenze zu Deutschland Halt gemacht haben. Entweder liegen die Schweizer Geologen falsch mit ihrer Einschätzung – oder in Baden-Württemberg, vielleicht auch in Bayern, sollte man sich wohl klarmachen, das werden zu wollen, was man nie sein wollte: ein Endlagerstandort für Atommüll. In der Schweiz steht die Nagra schon in der Kritik, es ist ein Vorgeschmack auf das, was auch uns erwartet.

Deutschland muss fast viermal mehr Atommüll lagern als die Schweiz

Aber irgendwo muss er ja hin, der Müll, mit 27 000 Kubikmetern geht es in Deutschland um eine fast viermal so große Menge wie in der Schweiz. Dort, bei unseren Nachbarn, rechnet man nicht damit, dass das Endlager vor 2060 in Betrieb gehen könnte, zumal der Schweizer Bundesrat nach weiteren Erkundungen in einigen Jahren noch zustimmen muss und das Ergebnis unter dem Vorbehalt eines Volksentscheides steht. Weil wir in Deutschland zehn Jahre hinterherhinken, kann man sich vorstellen, dass um die Jahrtausendwende geborene Menschen das Endlager bei uns vielleicht als Greise erleben werden.

Eine Million Jahre muss ein Endlager sicher sein. Unvorstellbar, aber wichtig, denn die Gefahr durch alte Brennstäbe ist tödlich, Erkundung und Lagerung sind – wie nun wieder in der Schweiz klar geworden ist – aufwendig und teuer. Eine interessante Lehre in einer Zeit, in der angesichts der Energiekrise der Ruf nach Kernenergie wieder lauter wird. Klar vernehmbar zum Beispiel aus der CSU.

Jede(r) muss für sich die Lehre ziehen, ob wir in Zukunft noch mehr Atommüll produzieren sollten, für das wir noch kein Endlager haben.

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des deutsche Endlager gleich daneben zu bauen. Falls auf deutscher Seite der gleiche Ton ist. Und wenn ja mal Probleme auftreten sollten , wäre nur eine Region belastet.

Wir haben jetzt seit ca. 60 Jahren provisorische Endlager. Bisher gab es -noch- keine Probleme. Und wenn, dann sind sie erreichbar. Alle sind gegen alles, nur nicht bei mir und in meiner Reichweite. Sibirien wäre nicht schlecht. Das Handy hat Strahlung, dass Telefon auch und noch mehr und ständig wie der Fernseher. Ganz schlimm die Microwelle. Muss unbedingt sein. Auch meine Nikotinsucht, mein Alkohol, meine Kalorien, meine Drogen, alle meine sonstigen Fehler dürfen bei mir bleiben. Dafür ist die Endlagerstätte im Friedwald. Vorher bin ich Die Endlagerstätte selbst. Die Beispiele sind unfair, hergeholt! Gut. Aber unser Wohlstand und dessen Nebenprodukte, das Klima, sind allgegenwärtig. Gemessen an diesen Gefahren und denen des Verkehrs waren bisher die AKW-Gefahren gering. Die Dimension der Angst davor ist aber wesentlich größer. Bitte nicht bagatellisieren, aber ohne Gefahren ist nichts. Die von den anderen Ländern belächelte "German Angst" hat mit den Tschernobyl-Pilzen und Schweinen begonnen. Gegenüber den anderen Ängsten und Gefahren sind sie weit weg. Auch nachgewiesene Tschernobyl-Todesfälle sind bei uns unbekannt. Biologen wallfahren dahin, weil sie dort jetzt in einer seit 40 Jahren unberührten Natur wunderschöne Biotope entdecken können. Bitte keine Verharmlosung. Hinreisen muss nicht sein. Aber Panik nur bei dem Gedanken daran, hilft auch nicht. Auch Fukushima ist ein unsinniges Beispiel. Dort hat ein Land den Reaktor ans Meer gebaut. Jede größere Welle konnte ihn erreichen. Nicht der Reaktor war schuld, sondern der Leichtsinn. Wie in Russland. Putin und XI wollen eine neue Weltordnung. Die wird wesentlich gefährlicher sein, als jeder Reaktor an deutschen Grenzen. Noch gefährlicher, schneller und zuverlässiger wird das Klima werden. Für das gibt es keine Endlagerstätte. In der Schweiz in 40 Jahren betriebsbereit? Auf die lange Bank geschoben und jeder Zukunft entfremdet. Und total negiert wird, dass es inzwischen Nukleartechnologien gibt, die jedes Risiko nahezu ausschließen. Wer aber selbst "nahezu" ausschließt und täglich den Absturz eines Atomträgers auf sein Haus befürchtet, der sollte sich mal der anderen Lebensrisiken bewusst werden.