Präsestour
Mit einem Besuch im Skate- und BMX-Park "Sportpiraten" hat die Praeses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich (Foto), am Montag (23.08.2021) ihre Erkundungstour durch Deutschland begonnen. Heinrich sprach mit dem Gruender des Vereins, Dirk Dillmann, und Teamern, die mit der 25-Jaehrigen gleich eine Runde auf dem BMX-Rad fuhren. Die Philosophie-Studentin Heinrich aus Regensburg will in vier Wochen von Flensburg nach Freiburg reisen und unterwegs mit den Menschen ins Gespraech kommen. Einen festen Termin- oder Reiseplan gibt es nicht. (Siehe epd-Meldung vom 23.08.2021)
RIEDIGER/NORDPOOL/EPD-BILD
Da geht viel!
Einen Monat lang reiste Anna-Nicole Heinrich, die jüngste Präses der EKD, mit einer Freundin durch Deutschland und traf Menschen, die viel für andere tun.
Patrick Desbrosses
08.11.2021

Flensburg: Unsere Tour startete bei den Sportpiraten, einem BMX- und Skaterpark. An guten Tagen kommen zwischen 200 und 300 Kinder und Jugendliche hierher. Sie können für einen Euro die Ausrüs­tung leihen, es gibt auch Getränke und Snacks. Ich ließ mir von den Jungs Tricks zeigen, denn in ihrer vertrauten Umgebung kommen wir am besten ins ­Gespräch. Einige von ­ihnen hatten letztes Jahr ein Gottesdienstvideo gedreht: Freudensprünge mit den Bikes am Ostermorgen in der Flens­burger Petri­kirche zu Orgelmusik.

Patrick Desbrosses

Anna-Nicole Heinrich

Anna-Nicole Heinrich, geboren 1996, ist seit Mai 2021 Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie studiert in Regensburg Philosophie, Digital Humanities und Menschenbild und Werte. Sie ist außerdem Mit-Herausgeberin von chrismon, Mitglied der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und Vorstandsmitglied der evangelischen Jugend in Deutschland e.V.

Lüneburg: Was braucht unsere ­Gesellschaft künftig, was nicht? Bei der Utopiekonferenz diskutierte ich mit unterschiedlichsten Leuten, vom Start-up-Unternehmer bis zur ­Klimaaktivistin Friede. Sie kennt unglaublich viele Leute, hat uns auf etliche Projekte aufmerksam gemacht und uns an einigen Stellen unserer Tour mit Menschen verbunden, die versuchen, weniger konsumlastig zu leben und mit dem auszukommen, was sie wirklich brauchen.

Dresden: Auf Jules Hütte in einer Kleingartenanlage hat uns Friede in Lüneburg aufmerksam gemacht. Das Häuschen hat nur eine Komposttoilette. Erst dachte ich: Mist, das wird eine harte Nacht! Aber Jule nimmt häufig Gäste auf und erklärt alles liebevoll durch Hinweisschilder. Am Ende hatten wir eine der schönsten Übernachtungen unserer Tour und ein Gespräch über Gott und die Welt inmitten von Sonnenblumen.

"Tolle Ideen, wie man das Leben bereichern kann"

Cuxhaven:  Einmal setzten wir uns in den erstbesten Zug, und der brachte uns in die Stadt am Meer. In der Fußgängerzone kamen wir am Schaufenster der Hanel-Stiftung vorbei, die Menschen in Altersarmut eine Anlaufstelle und Unterstützung anbietet. Stiftungsgründerin Anita Hanel ­erzählte von Entstehung und Wirken der Stiftung. An tollen Ideen und Partner:innen mangelt es nicht, mit denen man das Leben bereichern kann.

Marburg: Früher wurden hier Loks repariert. Dann hat Gunter Schneider, Investor und Bauherr, das Areal mit dem verfallenen Lokschuppen gekauft. Er will hier bald Raum schaffen für Gastronomie und Start-ups – und eine Gottesdiensthalle bereitstellen. Es ist schön zu sehen, dass auf dem heruntergekommenen Gelände an vielen Ecken mit jeder ­Menge Kreativität Neues entsteht. Eine Wand trägt zwei Graffiti: "God is dead" und "Du bist genug".

St. Pauli: Seit langem war ich in ­keinem Club mehr. In Hamburg traf ich Ulf von @dock3records. Ulf gab an dem Abend ein Punkkonzert im ­Molotow-Club. Er hat spät Theologie studiert, ist jetzt Pas­tor, macht viel Musik und ist megagut vernetzt. Der Posaunist in Ulfs Band arbeitet zum Beispiel für Viva con Agua Arts, eine ­gemeinnützige GmbH, die sich mit dem Verein und der Stiftung ­Viva con Agua für eine ­bessere Trinkwasserversorgung weltweit einsetzt.

"Buddies im Krankenhaus"

Hamburg-Eppendorf: Friedrich-Caspar von Schiller starb 2014 mit 20 Jahren an einer Herzkrankheit. Während seiner langen Zeit im Krankenhaus fehlten ihm ­Buddies an seiner Seite. Nach seinem Tod gründeten seine Geschwis­ter und Eltern deshalb den HerzCaspar-Verein: Freiwillige, die Kinder und Jugendliche im Krankenhaus begleiten. Wir brachten sie mit Seelsorger:innen am Hamburger Uni­klinikum zusammen. Beide können einander gut ergänzen.

München: Oft hört man, Zuge­wanderte müssten Deutsch lernen und eine Wohnung haben, um sich zu integrieren. Wichtig ist es aber auch, Arbeit zu finden. Das Start-up Social Bee stellt Geflüchtete und Migrant:innen ein und vermittelt sie an Firmen, die sie nach einem Jahr übernehmen. So baut die Agentur Hürden auf dem Arbeitsmarkt ab. Ein spannendes Projekt!

Bamberg: Im dortigen Ankerzentrum hat der Verein "Freund statt fremd" ein Willkommens­café eingerichtet – eine erste Anlaufstelle für Geflüchtete und Zugewanderte in der sehr abgelegenen ­Gegend am östlichen Stadtrand. Wir haben uns dort zu einer Gruppe junger Männer aus Syrien, Afghanistan und dem Iran gesellt, die erst ein paar Tage da waren, und sind mit ihnen ins Stadtzentrum gefahren (über dieses Erlebnis berichte ich in der Kolumne auf S. 10). Auch im Stadtzentrum betreibt der Verein ein Café, die Blaue Frieda.

"Dann kam die Erinnerung an die Flut"

Bad Neuenahr: Der Ort steht für die Hochwasser­katastrophe. Zunächst waren wir aber im migrantisch geprägten Viertel Stolberg-Mühle bei ­Aachen. Dort organisieren Helfer:innen eine kultur- und sprachsensible Aus­gabestelle für Flutopfer. Beeindruckend! In Bad Neuenahr stand ich mit dem Gastronomen Chris­tian Lindner im Hotel Aurora vor einer einsturzgefährdeten Wand, die mit einem großen Fragezeichen gekenn­zeichnet war. Dort kam ihm die Nacht der Flut in Erinnerung: Wie das Wasser stieg und er sich ­sorgen musste – um die Statik ­seines Hauses und gleichzeitig um das Wohl seiner Gäste.

Freiburg: Am Ende unserer Tour trafen wir uns mit Oberbürgermeister Martin Horn und er führte uns durch das neue "Klima plus"-Rathaus im Stühlinger: Es produziert mehr Energie, als es verbraucht. Horn weiß: Selbst Freiburg wird seine Klimaziele nicht mehr erreichen können. Und das, obwohl diese Stadt mit guten Ideen für die Umwelt vorangeht. Aber Horn bleibt motiviert. Vorbildlich!

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