Bessermacher - Bitte nicht wegwerfen
Bessermacher - Bitte nicht wegwerfen
Studio Käfig
Bitte nicht wegwerfen!
Im Repair Café Mainz kann man Fahrräder, Möbel und Geräte reparieren. Ein Werkstattgespräch.
28.05.2020

Willi Weitzel: Als Vater brauche ich fast jeden Tag Leim und Sekundenkleber. Und Sie?

Fabian Garbe: Beim Leim bin ich dabei. Dazu ein scharfes Messer. Und gute Schrauben­dreher, Kreuz und Schlitz. Über schlechtes Werkzeug ärgert man sich schwarz. 

Norbert Vogler: Radflicken! Und meine ­Inbus- und Schraubenschlüssel.

Jürgen Klute: Einen Zwei­komponentenkleber, mit dem hält ­alles. Und ein Schweizer Multi­tool. Dann habe ich alles dabei – ­Zange, Schrauben­zieher . . . 

Willi: Was macht Sie stolz? Fabian: Wenn knifflige Geschichten gelingen, für die anderen das Werkzeug fehlt. 

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Willi Weitzel

Willi Weitzel, Jahrgang 1972, ist Moderator, Reporter und Autor. Er wurde bekannt als Gesicht der TV-Sendung "Willi wills wissen", in der er von 2001bis 2009 einer ganzen Generation an Kindern die Welt erklärte. Viele Folgen sind heute noch auf "YouTube" zu sehen. Samstags ist er im BR Fernsehen mit der Sendung "Gut zu wissen" zu sehen. In der edition chrismon ist sein Buch "Der Islam. Fragen und Antworten für alle, die’s wissen wollen" erschienen (mit Mouhanad Khorchide).    
 

Jürgen: Eine ältere ­Dame kam mal mit einer Kuckucks­uhr. Ich sagte ihr: "Das ist aber ­keine Schwarzwalduhr." Sie sagte: "Sie ist von meinem verstorbenen Mann, ­daran ­hänge ich." Der Blick, als die Uhr wieder schlug, war nicht mit Geld zu bezahlen. 

Norbert: Es kommen auch Leute mit Fahrrädern, die ihnen ans Herz gewachsen sind. Mit 5-Gang-Torpedoschaltung. Ich habe dafür Ersatzteile, die man nicht mehr kaufen kann. Das macht glücklich.

Fabian: Spenden sind toll. Noch wichtiger ist uns aber, dass jemand ­etwas weiternutzt, was er weggeworfen hätte. Das spart Ressourcen.

Gisela Apitzsch: Anfangs haben uns vor allem die über 50-Jährigen unterstützt. Inzwischen aber wollen auch viel mehr junge Menschen dem Konsumwahn etwas entgegensetzen.

Willi: Was werfen wir zu leichtfertig weg?

Jürgen: Alles, was einen Stecker hat: Fernseher, Mixer, Toaster. Oft sind Einzelteile kaputt, die 90 Cent kosten. 

Gisela: Bei Staubsaugern liegt unsere Erfolgsquote bei 90 Prozent. Drucker und elektrische Zahnbürsten sind ein Ärgernis.

Willi: Die sind nicht reparierbar?

Jürgen: Manche Geräte sind verklebt, die kriegen Sie nicht auf. Die Drucker drücken ­unsere Reparaturstatistik.

Norbert: Oft bin ich auch über Eltern überrascht. Da ist ein Lämpchen am Kinderfahrrad kaputt, und sie stehen hier auf der Matte. Ich zeige ihnen, wie es geht.

Jürgen: Bei technischen Dingen ist die Industrie in der Pflicht – und die Kunden. Wir raten den Leuten dazu, in Zukunft nur noch Geräte zu kaufen, die man auch aufmachen kann. Und die verschraubt, nicht verklebt sind. Wenn wir alle auf besserer Qualität bestehen, werden die Produzenten auch darauf reagieren.

Gisela: Stichwort "reagieren": Unser ­Normalbetrieb ruht in der Corona-­Krise. Aber mit 3-D-Druckern machen wir Visiere für Pflegeheime. Es ist ­ toll, was technisch möglich ist.

Willi: Technik – das klingt kühl, aber Sie ­reden begeistert da­rüber, mit Wärme!

Gisela: Das Miteinander ist uns wichtig. Deswegen gibt es bei uns auch ein Buffet. Repair Cafés sind Orte, an ­denen sich Menschen begegnen, die sich sonst nie treffen würden. Besonders toll ist es mit ­Kindern, die sind so neugierig und dankbar.

Jürgen: Ein Mädchen, vielleicht sechs Jahre alt, kam mit seiner Mutter vorbei. Seine Lieblings-­CD steckte im CD-Spieler fest. Es weinte. Das war schnell repariert. "Jetzt musst du auch ‚Danke‘ sagen", meinte die Mutter. Das Kind drückte mich. Das vergisst man nicht.

Gisela: Mein Rat: Repair Cafés sollten sich breit aufstellen! Toaster, Fahrräder, Uhren, Möbel ­reparieren – alles wichtig. Aber mehr geht ­immer. Wir haben unter anderem einen Kleidertauschtreff mit Nähstation, eine Umsonstecke, eine 3-D-Druckstation eingerichtet. Wir sammeln alte Handys, Bücher und Spielzeug und geben sie weiter. Unsere Besucherinnen und Besucher erfahren auch etwas von verwandten Projekten wie Foodsharing, Tauschring, Solidarische Landwirtschaft. Und es gibt Film-und Vortragsveranstaltungen.

Infobox

Willi Weitzel hat das Gespräch in der Corona-Krise in ­einer Videokonferenz geführt. Um Ansteckungen zu vermeiden, war das Repair Café Mainz geschlossen. Bei Redaktionsschluss war noch nicht klar, wann es wieder öffnen würde. Infos dazu ­finden Sie unter repaircafemainz.de

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