Bibel im Bild
Bibel im Bild
Stiftung Bild und Orient
Mit der Kraft des Mastkalbes in der Sonne
Der Wissenschaftler Thomas Staubli erklärt, wie der Prophet Maleachi zu seinen Sprachbildern kam.
Thomas Staubli, Mitbegründung, Aufbau und Leitung des BIBEL+ORIENT Museums der Universität FribourgSophie Stieger
15.02.2019

Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln. Und ihr sollt herausgehen und springen wie die Mastkälber. (Maleachi 3,20)

Mit diesem Bild endet das Alte Testament. Wie kam der Prophet Maleachi darauf? Sah er das Kalb seines Nachbarn freudig aus dem Stall springen? Eher nicht. Künstler jedenfalls schauen erst seit wenigen Jahrhunderten ihre Sujets der Natur ab. Ihre Kunst folgt Vorbildern, wie es der Kunsthistoriker Ernst Gombrich beschrieb: "Art is born of art."

Thomas Staubli, Mitbegründung, Aufbau und Leitung des BIBEL+ORIENT Museums der Universität FribourgSophie Stieger

Thomas Staubli

Thomas Staubli, Jahrgang 1962, lehrt am Departement für Biblische Studien der Universität Freiburg (Schweiz) und leitete dort bis 2012 das "Bibel- und Orient-Museum". Der studierte Theologe, Religionswissenschaftler, Ägyptologe und Orientalist hat unter anderem auch in Jerusalem, Berlin und Bern gelebt. Von 1986 bis 87 war er Studienleiter der Dormition Abbey, Jerusalem. Bis 1994 leitete er die Bibelpastoralen Arbeitsstelle in St. Gallen.

Der Vorstellung des Propheten entsprechen eher die springenden Kälber unter der geflügelten Sonne, die sich an ägyptischen Grabwänden finden, besonders häufig an bemalten Holzsärgen. Die alten Ägypter wünschten ihren Verstorbenen die Lebenskraft des wild hüpfenden Stierkalbes, eine sich ständig regenerierende Energie – wie die der täglich aufgehenden ­Sonne. Die Verstorbenen sollten mit solcher Kraft den Übergang ins ­Jenseits schaffen. Maleachi verheißt es denen, die Gott fürchten.

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