- Anmelden, um Kommentare verfassen zu können
Alex Capus: Querfeldein. Hanser. 288 Seiten, 25 Euro.
Das frühe 20. Jahrhundert, ein Schweizer Dorf an der deutschen Grenze. Dort betreiben Arnold und seine Frau Betty einen florierenden Gasthof, der originellerweise "Zur Moskau" heißt. Die eigenwillige Clara, eines ihrer acht Kinder, verliebt sich in den böhmischen Schmuggler Hermann und heiratet ihn. Anfangs wohlgelitten im Dorf, kommt Hermann in Schwierigkeiten, als die Nazis nach 1933 die Grenzübergänge scharf kontrollieren. Hermann lässt sich nicht beirren, schmuggelt weiterhin Waren nach Singen, bis er festgenommen wird und eine Gefängnisodyssee durchlaufen muss. Ein Roman im wunderbar eingängigen Alex-Capus-Sound, ein Roman über Nähe und Fremdsein.
Shida Bazyar: Die Lücken. Kiepenheuer & Witsch. 512 Seiten, 25 Euro.
Heimesbach, so nennt Shida Bazyar das Dorf, dessen Geschichte sie, beginnend in den 1920er Jahren, ausbreitet. Erzählt aus der ungewöhnlichen Perspektive eines tödlich verunglückten Mädchens, rückt der Text eine Handvoll Familien ins Zentrum, darunter zwei iranische, die vor dem Ayatollah-Regime flohen und auf unterschiedliche Weise im Dorf zurechtkommen. Während sich Parvaneh und Bahman mit ihren Kindern gut assimilieren und zu Vorzeigeflüchtlingen werden, tun sich der als Hausmeister arbeitende Azad und seine Frau Asrin schwer, sich im Hunsrück wohlzufühlen. Parallel dazu blickt Bazyar auf die NS-Zeit zurück, auf das Heimesbach, das zu einem "Gaumusterdorf" wurde und sich stolz "judenfrei" nannte. Ein vielschichtiger, klug komponierter (Anti-)Heimatroman, ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis.




