Gemeinsames Tanzen macht stark - Junge Menschen auf einer Tagung von Jagori Rural
Gemeinsames Tanzen macht stark - auf einer Tagung von Jagori Rural
Jagori Rural Charitable Trust
Frauen, wacht auf!
In kaum einem anderen Land der Welt werden Frauen so unterdrückt wie in Indien. Die Hilfsorganisation Jagori Rural in Nordindien kämpft mit Erfolg für die Rechte der Frauen
26.10.2017

Als Asha ein junges Mädchen war und ­ihre erste Regelblutung bekam, da warnte ihre Großmutter: Von nun an dürfe sie nie mehr auf eine Toilette gehen, auf der vorher ein Junge war – von dessen Urin könne sie schwanger werden. Asha er­innert sich: „Alles, was unterhalb des Bauchnabels stattfand, war für meine Mutter und meine Großmutter tabu. Selbst wenn ich Durchfall hatte, durfte ich darüber nicht reden.“ Heute ist Asha 34 Jahre alt und Gesundheits­be­raterin bei „Jagori Rural“ in Nordindien, einem Frauen­beratungs- und Schulungszentrum bei Dharamsala.­ Sexualaufklärung ist ein wichtiges Thema, aber längst nicht das einzige. Welche politischen Rechte haben Frauen in Indien? Was können sie tun, wenn sie in der Ehe geschlagen oder vergewaltigt werden? Jagori Rural organisiert Kurse in einem eigenen Zentrum – und in weiteren oft bitterarmen Dörfern in den abgelegenen Bergregionen des indischen Bundesstaates Himachal Pradesh. 

"Alles, was unterhalb des Bauchnabels stattfand, war für meine Mutter ein Tabu"

„Frauen, wacht auf“ heißt das indische Wort Jagori – Feministinnen haben die Organisation gegründet. Längst zählt Jagori Rural, zusammen mit seiner Schwesterorganisation Jagori in Delhi, zu den einflussreichsten Frauenhilfsorganisationen auf dem Subkontinent. In Deutschland werden beide Organisationen seit vielen Jahren von Brot für die Welt unterstützt. In kaum einem anderen Land der Welt werden Frauen so unterdrückt und marginalisiert wie in Indien. Ein Beispiel: Obwohl die „Mitgift“ bei Eheschließungen längst verboten ist, werden immer noch Ehefrauen, deren Eltern nicht genug zahlen können, grausam ermordet. Trotzdem gibt es einen starken indischen Feminismus und ein großes interna­tionales Netzwerk. Seit einer schrecklichen Gruppenvergewaltigung in Delhi 2012 finden immer noch regelmäßig Demonstrationen statt.

Tim Wegner

Dorothea Heintze

Dorothea Heintze war vor einigen Jahren für eine Recherche in Nordindien und hat mehrere Tage bei Jagori Rural gelebt. Die Ruhe und der Frieden, der an diesem Ort herrschte, waren unglaublich beeindruckend - trotz des Lärms, des Drecks und der alles beherrschenden Armut vor den Türen des liebevoll gepflegten Geländes mit seinen kleinen, Schutz bietenden Rotziegelhäusern. Ein Ort des Optimismus, der Stärke und der Hoffnung - mit direktem Blick auf die himmelfahrenden Gipfel des Himalaya.
Neben Gesundheitsberaterinnen wie Asha arbeiten auch „Barefoot-Lawyer“ bei Jagori: Frauen aus den um­liegenden Dörfern, in Westeuropa würde man sie Mediatorinnen nennen. Sie alle haben eine spezielle Ausbildung und kommen aus der Region. Wer ein Problem hat, kann sie anschreiben und um Vermittlung bitten. In den  dörflichen „Schiedssprechstunden“ können Unterhalts- oder Erziehungsstreitigkeiten vorgerichtlich geklärt werden. Weil all diese Hilfen und Ideen nur funktionieren, wenn auch die Männer umdenken, sprechen Asha und ihre Kolleginnen auch junge Männer an. Mittlerweile gibt es sogar gemischte Gruppen bei Jagori Rural: Jungs und Mädchen in einem gemeinsamen Workshop. Sie diskutieren, lachen und streiten, sie singen, tanzen und lernen voneinander – eine Revolution in dem immer noch stark patriarchalischen Gesellschaftssystem des ­indischen Landes.
Spendeninfo

Hinschauen

Jagori Rural freut sich über Interesse und möchte, dass die Welt erfährt, ­wofür indische Frauen kämpfen - die Website der Organisation ist sehr informativ und hilfreich.
 

Spendenkonto: Brot für die Welt, KD-Bank,
IBAN: DE10 1006 006 500 005 0,
Stichwort: ­chrismon/­Jagori Rural. Für eine Spenden­bescheinigung bitte die eigene Adresse angeben.

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