Vor vielen Jahren wanderte ich im Spätsommer durch die Schweiz und kam an einer Wiese mit alten Obstbäumen vorbei. Im Kirschbaum hing eine Schaukel, unter dem Birnbaum saß eine Großmutter mit ihren Enkeln. Ich blieb stehen und beobachtete, wie der Wind über Glockenblumen und Gräser wehte. Am Ende der Wanderung wusste ich, dass ich irgendwann eine Obstwiese besitzen wollte.
Mein Wunsch schien sich zu erfüllen, als neben meinem Haus ein halber Hektar Ackerland zum Verkauf stand. Ich zögerte keine Sekunde, die vormalige Kuhweide in einen naturnahen Garten umzuwandeln.
Zuerst kaufte ich mir drei Bücher: "Natur für jeden Garten", "Obstbaumschnitt" und "Der Biogarten". Ich las, dass Naturgärten weniger Arbeit machen als konventionelle Gärten. Kein Gießen, kein Düngen, kaum Mähen – und die Hecke musste ich auch nicht schneiden. Umweltschutz mit wenig Aufwand.
Im ersten Jahr pflanzte ich mit Familie und Freunden 20 Obstbäume und eine Vogelschutzhecke. Am Abend ging ich über den Acker und stellte mir vor, wie die Pflanzen in wenigen Jahren aussehen würden. Tatsächlich erkannte ich sie schon zwei Wochen später kaum wieder. Je weiter ich an der Hecke entlanglief, desto kleiner wurden die Pflanzen, bis irgendwann kaum noch etwas zu sehen war. Kannte ich bis dahin bloß den Osterhasen, lernte ich nun den Feldhasen kennen, der offenbar noch anderes fraß als Klee und Löwenzahn. Ich kaufte sofort Maschendraht und bastelte zwei Tage lang Schutzzäune für 147 Gehölze.
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