Thies GundlachJens Schulze / epd-bild
20.12.2010
11. Sonntag nach Trinitatis
Wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.
Lukas 7,47

Wie steht es eigentlich um unsere Liebesfähigkeit? Und was ist mit unserer Liebenswürdigkeit? Aus jeder Freundschaft, jeder Ehe, jeder Form von Partnerschaft wissen wir, dass es Dinge gibt, die wir in den Beziehungen nicht machen, verdienen, einklagen oder erzwingen können, obwohl wir darauf angewiesen sind. Zum Beispiel, dass der andere ein großes Herz für mich behält, obwohl ich ihn manchmal verletze. Dass der andere bei mir bleibt, obwohl ich doch streckenweise auch anstrengend bin. Dass der andere mich wichtig findet, obwohl ich mich doch auch wiederhole, dass der andere mir meine ungerechten Tage verzeiht, obwohl sie wiederkommen werden. Also: Liebesfähigkeit ist, dass wir barmherzig miteinander umgehen können in der Liebe. Dass wir den anderen großreden, nicht klein machen, dass wir nicht mehr Recht haben müssen, sondern dankbar sein können. Dies alles können wir nicht machen, nicht erzwingen, nicht verdienen und nicht kaufen, das können wir uns nur schenken lassen vom anderen.

Jesus bringt das auf den Punkt: Quelle aller Liebesfähigkeit ist die Güte, ist die Vergebung, ist die unverdiente Nähe und geschenkte Vertrautheit, die vor Gott und in der Liebe gleichermaßen bedingungslos bleibt. Gott sei Dank.