Das Bild ist herrisch und aggressiv: "Die Gewalttätigen reißen das Himmelreich an sich." Gewiss kann man es interpretieren: Das Himmelreich braucht Entschiedenheit; vor ihm und seinen Forderungen kann man nicht in weicher Neutralität stehen. Bestimmte Sätze und Bilder unserer Tradition nähren eine gefährliche Lust an purer Radikalität. Aber gemach, Fundamentalismus ist wohl nicht mehr das Problem unserer Volkskirchen. Ihre Gefahr ist eher, dass sie heute alle Optionen verlieren vor übermäßigem Liberalismus und vor purer Konturenscheu. Für wen stehen sie eigentlich? Wo ergreifen sie noch Partei und wo tanzen sie nur mit wohlwollender Neutralität auf allen Hochzeiten? Die inhaltslose Radikalität ist die eine Gefahr, die tödliche Lauheit die andere!
Tag der Geburt Johannes des Täufers
Von den Tagen Johannes' des Täufers bis heute leidet das Himmelreich Gewalt, und die Gewalttätigen reißen es an sich.
Matthäus 11,12

