Handelsschiff nahe der Straße von Hormuz
Frachtschiffe ankern am 2. März 2026 vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate nahe Dubai. Viele Öltanker sind auf eine Passage durch die vom Iran blockierte Straße von Hormuz angewiesen
Anadolu/Getty Images
Iran
Gefährliche Abhängigkeit vom Öl
Den Angriff auf den Iran spüren wir auch in unseren Heizungskellern - zumal Union und SPD dabei sind, uns wieder tiefer in die fossile Abhängigkeit zu führen. Ein Kommentar
Tim Wegner
04.03.2026
3Min

Kriege haben schreckliche Folgen für Leib und Leben von Menschen, die direkt von ihnen betroffen sind. Aber auch die öffentliche Debatte leidet, wenn Raketeneinschläge und Touristen, die an ihren Urlaubsorten festsitzen, die Nachrichten dominieren.

So dürfte der amerikanisch-israelische Angriff auf den Iran den Streit um das sogenannte Heizungsgesetz in den Hintergrund drängen. Union und SPD hatten am 25. Februar 2026 Eckpunkte präsentiert – und viel Kritik geerntet. Jetzt gerät das Thema aus dem Blickfeld vieler Medien und Menschen. Zu Recht?

Nein. Denn der Angriff auf den Iran hat eine Menge mit unseren Heizungskellern zu tun. Zur Erinnerung: Die Ampelkoalition hatte das Gebäudeenergiegesetz (im Volksmund Heizungsgesetz) novelliert. Es sieht vor, dass Heizungen in Zukunft mit einem Anteil von 65 Prozent an erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. In der Praxis würde das darauf hinauslaufen, dass sich die Wärmepumpe durchsetzt, die in den skandinavischen Ländern bereits einen Marktanteil von 90 Prozent hat.

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Was andernorts als State of the Art gilt, löst in Deutschland Kulturkämpfe aus. Jens Spahn und seine Parteifreunde aus CDU und CSU versprechen sich offenbar viel davon, sich von der Vorgängerregierung und besonders vom früheren Grünen-Wirtschaftsminister Robert Habeck abzugrenzen. Denn sie vollziehen eine Kehrtwende um 180 Grad. Kommt das Gebäudemodernisierungsgesetz durch den Bundestag, ist der Weg frei für neue Öl- und Gasheizungen.

Dem Klimaschutz will die Koalition aus CDU/CSU und SPD damit genüge tun, dass den Heizungen statt der 65 Prozent erneuerbaren Energien lediglich Biogas oder Bioöl beigemischt werden muss. Das aber wird noch dauern. Außerdem gibt es davon nach Ansicht von Expertinnen und Experten nur so geringe Mengen, dass die privaten Heizungskeller in Konkurrenz mit der Industrie treten, die auf synthetische Gase und Kraftstoffe angewiesen ist.

Große Konkurrenz bei knappen Mengen führt verlässlich zu Preissteigerungen, weswegen Mieterinnen und Mieter, die nicht selbst bestimmen können, was im Heizungskeller steht, in Zukunft mehr werden zahlen müssen. Denn an die Eigentümer und Vermieter hatte die Politik vorige Woche eine klare Botschaft gesandt: Es ist okay, weiterhin mit Öl und Gas zu heizen!

Den Ärger darüber hat der Angriff auf den Iran verschluckt. Dabei zeigen dessen Folgen, wie irrsinnig es ist, weiter auf die Abhängigkeit von Öl und Gas zu setzen. Der Ölpreis stieg nach dem Angriff auf den Iran um fast zehn Prozent. Denn der Iran blockiert die Straße von Hormus, auf die viele Öltanker angewiesen sind.

Und: Die Absetzung des venezolanischen Präsidenten hatte Trump zu Jahresbeginn auch ganz unverhohlen damit begründet, die Ölvorkommen des Landes kontrollieren zu wollen. Wer weiß, ob er mit den iranischen Rohstoffen Ähnliches im Sinn hat? Dass Deutschland von US-amerikanischen Flüssiggasimporten abhängig ist, ist ebenfalls keine gute Nachricht angesichts der politischen Verhältnisse in den Vereinigten Staaten, die vor aller Augen in Richtung Autoritarismus schlittern.

Öl und Gas stammen fast ausnahmslos aus Staaten, die keine Demokratien sind und die ihre Einwohner oft genug nicht am Reichtum beteiligen. Man muss nicht mit dem Klimaschutz argumentieren, dass die deutschen Heizungskeller eben keine reine Privatangelegenheit, sondern Orte sind, die uns in gefährliche Abhängigkeiten geführt haben. Darüber müssen wir reden – auch und gerade im Krieg.

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