Mitgefühl
Macht Religion mitfühlend?
Empathie gilt als christliche Tugend - und als mächtige Fähigkeit. Aber manche halten sie für eine Schwäche
Lisa Rienermannn
Lena Uphoff
03.02.2026
3Min

Die Empörung war groß, als Elon Musk 2025 sagte: "Die fundamentale Schwäche westlicher Zivilisation ist Empathie." Der reichste Mensch der Welt redete im Podcast von Joe Rogan unter anderem über Migration. In diesem Zusammenhang steht Musks Empathiekritik: Zu viel Empathie führe dazu, dass zu viele Menschen aufgenommen würden. Das wiederum führe zum Auseinanderbrechen der Gesellschaft. Deshalb sei zu viel Empathie "gesellschaftlicher Selbstmord" – wie Musk sagt.

Die These, dass Empathie einer Gesellschaft schade, ist alt. Man findet sie zum Beispiel beim Philosophen Friedrich Nietzsche. Sie wird aber bis heute nicht selten vertreten. Auch Autoren, die sich explizit als christlich verstehen, sehen das so und versteigen sich zur Zuspitzung: Empathie sei eine Sünde. Religion macht also nicht zwangsläufig empathischer, sie kann im Gegenteil auch Empathielosigkeit propagieren.

Das könnte manche überraschen. Gilt Empathie doch mit gutem Grund als christliche Tugend. Das wird unter anderem an einer der bekanntesten biblischen Geschichten überhaupt sichtbar: der vom barmherzigen Samariter. Im Lukasevangelium antwortet Jesus mit dieser Erzählung auf die Frage, wie man das ewige Leben erreichen könne.

Ganz kurz geht die Geschichte so: Ein Mann wird ausgeraubt und fast totgeschlagen. Die Räuber lassen ihn am Straßenrand liegen. Zwei Männer sehen den Verletzten, kümmern sich nicht um ihn und gehen weiter. Dann kommt der Dritte, der Samariter.

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