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Videotelefonat nach Lesbos. Efi Latsoudi hat verwuschelte Haare, blinzelt gegen die Sonne. "Am I talking too much?", fragt sie mit starkem griechischem Akzent: Rede ich zu viel? Sie ist immer noch aufgebracht. Wenige Tage ist es her, dass Polizisten Pikpa räumten, das kleine private Flüchtlingslager, das Latsoudi vor neun Jahren aufbaute.
Pikpa galt auch international als "Leuchtturmprojekt der Menschenwürde", als freundlicher Gegenentwurf zum unmenschlichen Massencamp Moria. Auf einem ehemaligen Freizeitgelände südlich der Stadt Mytilini lebten knapp 75 besonders schutzbedürftige Flüchtlinge: Familien mit behinderten Kindern, Folteropfer, Schwangere. Sie wohnten in Holzhäuschen, nicht in Zelten, die Erwachsenen arbeiteten mit im Camp.
Die Politik will abgeschottete Lager
Die Kinder waren gerade auf dem Weg in die Schule, sagt Latsoudi, als die Polizisten frühmorgens ins Camp kamen. Sie hätten den Leuten nur eine Stunde gegeben, ihre Sachen zu packen. Und brachten sie in ein anderes kleineres Lager, das aber dem Vernehmen nach auch bald schließt.
Wer kann das verstehen? Das Lager Moria brennt ab, 13 000 Menschen haben kein Dach über dem Kopf und die griechische Regierung lässt Unterkünfte räumen? Die Behörden gaben an, das kommunale Gelände sei illegal besetzt. Ein vorgeschobener Grund, sagt die deutsche Pfarrerin Sabine Müller-Langsdorf, Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Sie reist seit Jahren regelmäßig nach Lesbos. Sie teile die Einschätzung von Organisationen wie Pro Asyl: Die Regierung will keine kleinen, freundlichen Unterkünfte. Alle Flüchtlinge sollen gemeinsam, möglichst abgeschottet von der Bevölkerung untergebracht werden.
Das neue Moria ist so schlimm wie das alte
In Lesbos eröffnete nur wenige Wochen nach dem Brand in Moria ein neues Massenlager direkt am Mittelmeer, mindestens 7000 Menschen sollen dort leben. Es heißt offiziell Kara Tepe, wird aber oft Moria 2 genannt. Zelte stehen auf dem kalten, bei Regen schlammigen Boden, es gibt mobile Toiletten, keine Duschen, die Menschen waschen sich mit Meerwasser. "Wie soll eine Frau dort ihr Baby bekommen? Wie ein schwerbehindertes Kind zurechtkommen?", fragt Latsoudi mit Blick auf die ehemaligen Pikpa-Bewohner, die dort landen könnten.
Jobs und Wohnungen gesucht
Pikpa wird so bald nicht wieder aufmachen, so sucht sie fieberhaft nach Jobs und Wohnungen. Kaum jemand will an Flüchtlinge vermieten. Als Einheimische kann sie vermitteln. Außerdem betreibt sie ein Begegnungszentrum, in dem Geflüchtete und Inselbewohnerinnen gemeinsam Sprachkurse absolvieren, nähen oder Filme gucken. "Die Politik will dafür sorgen, dass wir uns nicht kennenlernen, nicht die Einzelperson sehen. Aber nur so gibt es Frieden."
Efi Latsoudis Organisation heißt: Lesvos Solidarity. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) unterstützt ihre Arbeit und sammelt Spenden.
Spendenkonto der Evangelischen Kirche
IBAN: DE27 5206 0410 0004 1000 00
Bank: Evangelische Bank
Betreff: chrismon/Lesbos
Sehr geehrte Frau Lucassen!
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Sehr geehrte Frau Lucassen!
Sie schreiben: "Wer kann das verstehen? Das Lager Moria brennt ab."
Das ist nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich haben die Bewohner das Lager in Brand gesteckt. Warum schreiben Sie nicht präzise?
Viele Grüße
Hanns Schneider