07.01.2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

Lulu und Nana – bestimmt haben Sie von ihnen gehört. Die angeblich gentechnisch veränderten Zwillinge aus China. Ein Arzt gab vor ein paar Wochen bekannt, mit der Genschere Crispr/Cas ihr Erbgut so verändert zu haben, dass sie resistent gegen den Erreger HIV sind. Klingt ers mal super. Aber wer weiß, welchen Schaden der Arzt mit der Genschere angerichtet hat? So ein Eingriff in die Keimbahn vererbt sich nämlich. Die Kinder von Lulu und Nana werden dieses veränderte Gen tragen und ihre Kinder und so weiter fort. Ob es gut gegangen ist, wird sich erst in vielen Jahren zeigen.

Die Wissenschaftsszene ist schockiert, der Deutsche Ethikrat nannte es einen Super-Gau, der "Stern" einen Tabubruch. Wollen wir das, als Gesellschaft? Dass an menschlichen Genen herumgeschnippelt wird, ohne dass man die Folgen kennt? Und aus welchen Gründen? "Nur um Krankheiten zu heilen? Oder: Um Krankheitsrisiken zu senken? Oder um uns ein bisschen zu verbessern?", fragt die Medizinethikerin Alena Buyx im Doppelinterview mit Thomas Schulz, Silicon-Valley-Kenner.

Auch über Künstliche Intelligenz an sich müsse man diskutieren, sagt die Medizinethikerin. "Die Szenarien reichen vom Algorithmus, der hilft, Röntgenbilder besser zu befunden, bis zu der schrecklichen Vorstellung, dass uns eine selbstdenkende, halb bewusste oder ganz bewusste Künstliche Intelligenz eines Tages unterjocht."

Über Fluch und Segen der Künstlichen Intelligenz haben sich vor gut einem Jahr in chrismon auch die Schriftstellerin Thea Dorn und der Informatikprofessor Raúl Rojas ausgetauscht. Dass Roboter klüger sein werden als die Menschen oder sich gar von uns emanzipieren, wird sicher nicht in diesem Jahrhundert passieren, sagte Rojas da.

Beruhigend – solange Roboter in unseren Museen ausgestellt werden und nicht umgekehrt. "Hitchbot" nämlich, ein Roboter aus Eimer, Schwimmnudeln, Gummistiefeln und Tablet, hat schon mal nicht die Macht über uns übernommen. Ist er doch 2015 auf seiner Tour als Tramper durch die USA, Kanada, Deutschland und die Niederlande mutwillig zerstört worden. Das reparierte Kerlchen befindet sich neben vielen anderen Kollegen im Paderborner Heinz Nixdorf Museumsforum, in der neuen Dauerausstellung "Mensch, Roboter!".

Eine gute Woche wünscht Ihnen

Mareike Fallet
chrismon Redaktion