Landschaftszimmer im Buddenbrookhaus in Lübeck
epd-bild/Dirk Silz
Eine Ausstellung im Literaturmuseum Buddenbrookhaus in Lübeck zeigt das Verhältnis der Brüder Thomas und Heinrich Mann zu ihrer Heimatstadt.
04.05.2018

"Herzensheimat - Das Lübeck von Heinrich und Thomas Mann" macht das gespaltene Verhältnis der Brüder zum hanseatischen Bürgertum im 19. Jahrhundert zum Thema, wie das Museum am Freitag mitteilte. Sie wird am Sonntag (6. Mai) anlässlich des 25. Geburtstages des Literaturmuseums eröffnet und ist bis zum 18. November zu sehen.

Für die Manns sei die Hansestadt Sinnbild für die Welt des Vaters und damit für die bürgerlichen Werte gewesen: Tradition, Leistung und Pflichtbewusstsein. Von ihrer deutsch-brasilianischen Mutter adaptierten beide hingegen die künstlerisch-sinnliche Richtung: "Diesen Dualismus zwischen Bürger- und Künstlertum, der in der Literatur mündete, wollen wir in der Ausstellung zeigen", sagte die Leiterin des Museums, Birte Lipinski.

"Herzensheimat bedeutete auch Leidensheimat"

"Die Herzensheimat bedeutete für die Brüder auch gleichzeitig Leidensheimat", fuhr Lipinski fort. So belastend beide die Tradition der Kaufmannfamilie Mann in der Jugend empfanden, so stolz seien sie später auch darauf gewesen, aus dieser Welt zu stammen.

Fotos, Dokumente und Begleittexte zeichnen den Weg der Brüder von der Kindheit und Jugend bis hin zum erfolgreichen Schriftstellertum nach. Am Ende steht ein begehbares Papiertheater der Hamburger Künstlerin Thomke Meyer. Als Kinder spielten die Brüder Papiertheater - Thomas Mann schrieb die Stücke, Heinrich Mann entwarf die Bühnenbilder.

Abfälliges Bild der Geburtsstadt gezeichnet

Zentrales Exponat ist einer von zwei Lübecker Bücherschränken, die Thomas Mann zeitlebens begleitet haben. Der drei Meter große Schrank wurde in Deutschland gefertigt, besteht aber aus südamerikanischem Mahagoniholz. "Er steht damit für die doppelte Herkunft der Brüder Mann", sagte Kurator Julius Sonntag.

Besonders in ihren berühmten Werken "Buddenbrooks" (Thomas Mann, 1901) und "Professor Unrat" (Heinrich Mann, 1904/05) zeichnen die Schriftsteller ein abfälliges Bild ihrer Geburtsstadt. Beide Bücher galten in Lübeck lange als Skandal. Für seinen Gesellschaftsroman über den Ruin einer Kaufmannfamilie erhielt Thomas Mann 1929 den Literaturnobelpreis.

Das Buddenbrookhaus wurde 1758 erbaut. 1993 wurde es zum Heinrich und Thomas Mann-Zentrum. Ab dem nächsten Jahr steht ein Umbau an, durch den sich die Ausstellungsfläche verdoppeln soll.

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