15.10.2014
Absender
Eduard Kopp
Begründung

„Der gute Hirte“ - so ist dieser eindrucksvolle Psalm überschrieben. Im Grunde ist er ein altes Gebet, das Juden schon vor 3000 Jahren im Jerusalemer Tempel gesprochen haben. Aber er hat für mich nichts an seiner Schönheit und Geltung verloren. Der Psalm ist mir lieb und wertvoll. - Ich habe ihn gesprochen, als meine Großmutter im Sterben lag. Und ich sah an ihren Lippen, dass sie ihn mitsprach. - Ich habe ihn gesprochen in einem Gottesdienst, in dem wir vor vielen Jahren einer depressiven Kommilitonin gedacht haben, die sich das Leben genommen hatte. - Ich habe ihn gesprochen, als ich auf der Autobahn bei Kassel sah, was ein LKW angerichtet hatte, der über die Mittelplanke hinweg in den Gegenverkehr gerast war. Ein Psalm für hoffnungslose Fälle und für ausweglose Situationen? Nein, auch ein Psalm, der die Schönheit und das Vertrauen ins Leben lobt. Es ist eben beides: das finstere Tal und die grüne Aue. Und der gute Hirte ist immer da. Deshalb liebe ich diesen Psalm.