20.08.2018

Liebe Leserinnen und Leser,

vom jüdischen Leben in Deutschland lässt sich kaum erzählen, ohne gleichzeitig auch über die Schoah zu sprechen, den millionenfachen Mord an Juden unter der Naziherrschaft. Diesen historischen Makel wird Deutschland nie mehr los.

1933 lebten etwas mehr als eine halbe Million Juden in Deutschland, nicht einmal 0,77 Prozent der Gesamtbevölkerung (damals 65 Millionen). Allein schon die Zahl zeigt, wie grotesk die Behauptung der Nazis war, die Juden seien Deutschlands Unheil. Selbst hartgesottene Antisemiten hätten merken müssen, dass das nicht sein kann. Deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens, die damals nicht rechtzeitig auswanderten, wurden umgebracht. Nur wenige überlebten den Krieg im Versteck. Bis heute gelang es nicht, das jüdische Leben in Deutschland wieder in vergleichbarer Weise zum Leben zu erwecken. Viele Städte haben ihr Denkmal, das an das Niederbrennen ihrer Synagoge am Abend der Reichspogromnacht, am 9. November 1938, erinnert.

Seit den 1990er Jahren siedelten sich Juden vor allem aus dem Gebiet der früheren Sowjetunion wieder in Deutschland an. 2005 überschritt die Zahl der Juden in den Gemeinden die Zahl von 108.000. Seither ist sie wieder rückläufig. Dennoch hört man erstaunt - und mit Freude -, dass sich auch Juden aus Israel in Deutschland wieder zu Hause fühlen. Wie schön, wenn zum Beispiel die Israelin Adi Shapira erzählt, dass ihr das Leben in Deutschland gefällt. Sie hat ihre Heimat der Liebe wegen verlassen.

Auch der israelische Theaterregisseur Yaron Goldstein lebt in Deutschland. 1984 hat er sich sogar einbürgern lassen. Mit der US-amerikanischen Entertainerin Gayle Tufts tauschte er sich in chrismon über das typisch Deutsche aus.

Erinnern Sie sich? Vor sechs Jahren erregte das Kölner Landgericht die Gemüter - mit dem Urteil, dass die Jungenbeschneidung ein unzulässiger Eingriff sei. Natürlich erregte sich die ganze Republik darüber, Beschneidungsgegner und -befürworter. Gerade Juden fürchteten, dass jüdisches Leben in Deutschland wieder unmöglich gemacht wird. Eine Ausstellung des Jüdischen Museums in Berlin spiegelte damals die aufgeregte Debatte wider.

Wächst die Intoleranz Andersgläubigen, auch Juden gegenüber? Von Angriffen auf Kippaträger war in den vergangenen Monaten viel zu hören. Und davon, dass der Antisemitismus zunehme. Auf Schulhöfen ist Jude ein Schimpfwort. Gerade dort mangele es an Schulsozialarbeitern, an Lehrern und Dolmetschern, schreibt chrismon-Redakteur Eduard Kopp.

Was sicherlich auch hilft: Ab und zu mal am Freitagabend oder am Samstag (am Schabbat) in der nächstgelegenen Synagoge vorbeischauen. Oder in der nächstgelegenen Moschee oder einem Tempel. Darf man das, einfach so? Na klar, meint Eduard Kopp. Und es lohnt sich!

Eine spannende und anregende Themenwoche wünscht Ihr

Burkhard Weitz