Dresden (epd). Mindestens zwei Diebe haben am frühen Montagmorgen drei wertvolle Juwelengarnituren aus dem Grünen Gewölbe in Dresden gestohlen. Zutritt zu der Schatzkammer des Residenzschlosses verschafften sie sich durch ein mit Gittern gesichertes Fenster, wie der Leiter der Kriminalpolizei, Volker Lange, in Dresden erklärte. Von den Tätern fehlt bislang jede Spur. Die Polizei richtete eine Sonderkommission mit zehn Beamten ein.
Das Diebesgut stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde von August dem Starken (1670-1733) in Auftrag gegeben, wie der Direktor des Grünen Gewölbes, Dirk Syndram, erklärte. Die Täter schlugen demnach zielgerichtet eine mit Panzerglas gesicherte Vitrine mit insgesamt 95 Einzelstücken mit Brillanten, Diamanten und Manschettenknöpfen sowie Diamantschmuck und Perlen der damaligen Königin ein. Die Stücke seien "so eine Art Weltkulturerbe", erklärte Syndram. Es gebe nirgendwo in Europa Juwelen, die sich in dieser Form, Qualität und Quantität als königliche Garnituren erhalten hätten.
"Wert der Vollständigkeit"
Ob die Täter die drei Garnituren komplett entwendeten, war am Nachmittag noch unklar, da der Tatort noch auf Spuren untersucht wurde. Die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), Marion Ackermann, sagte, die Stücke seien von unschätzbarem kunst- und kulturhistorischem Wert. Der Materialwert sei "gar nicht so hoch zu bewerten wie der Wert der Vollständigkeit" der Garnituren, betonte sie: "Es gibt keinen finanziellen Wert, mit dem wir arbeiten." Aufgrund der Bekanntheit der Stücke hoffe sie jedoch, dass diese dadurch "dem Markt entzogen" seien.
Das Museum war in der Tatnacht laut Ackermann wie üblich mit zwei Sicherheitsleuten besetzt. Diese hatten der Polizei zufolge auf einem Überwachungsvideo zwei Einbrecher entdeckt und um 4.59 Uhr die Polizei alarmiert. Dieses Vorgehen sei üblich, erklärte Ackermann. Eigenständiges Eingreifen des Wachpersonals sei nicht üblich, da Menschenleben im Vordergrund stünden. Ob die Täter bewaffnet waren, blieb unklar.
Fünf Minuten nach dem Notruf traf laut Kripo-Chef Lange ein erster Streifenwagen ein. Da waren die Täter bereits geflüchtet. Die Fahndung sei sofort auf die Polizeidirektionen Görlitz und Chemnitz ausgeweitet worden. Auch die Polizei im benachbarten Brandenburg sei informiert worden, die Bundespolizei habe die Landesgrenzen überwacht. Alle Maßnahmen blieben demnach ohne Erfolg.
"Anschlag auf die kulturelle Identität der Sachsen"
Es sei nicht auszuschließen, dass außerhalb des Gebäudes Komplizen auf die Einbrecher gewartet hätten, erklärte Lange. Unklar sei bislang auch, ob der Brand eines nahe gelegenen Stromkastens im Zusammenhang mit dem Einbruch stehe. Der Brand habe kurz vor der Tat einen Stromausfall auf dem Theaterplatz nahe den Kunstsammlungen ausgelöst.
Ebenfalls Gegenstand der Ermittlungen ist demnach der Fund eines ausgebrannten Fahrzeugs in Dresden rund 15 Minuten nach dem Einbruch. Beim Auffinden hätten alle vier Türen des Autos offengestanden, Einsatzkräfte hätten Benzingeruch wahrgenommen, erklärte Lange.
Politiker reagierten bestürzt auf die Tat. Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) erklärte, nicht nur die SKD seien bestohlen worden, "sondern wir Sachsen". "Die Werte, die im Grünen Gewölbe und im Residenzschloss zu finden sind, sind von den Menschen im Freistaat Sachsen über viele Jahrhunderte hart erarbeitet worden", betonte er. Innenminister Roland Wöller (CDU) sprach von einem "Anschlag auf die kulturelle Identität der Sachsen".
Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erklärte in Berlin, die Nachricht von dem Diebstahl sei "erschütternd und schockierend". Der Diebstahl von Stücken, "die unsere Identität als Kulturnation ausmachen, trifft uns ins Herz". Angesichts organisierter, hochkrimineller Täter sei der noch stärkere Schutz von Museen und Kultureinrichtungen "eine Aufgabe von höchster Priorität", betonte Grütters.

