Mannheim (epd). Die Kunsthalle Mannheim will Geschichten erzählen über den französischen Ausnahmekünstler Henri Matisse (1869-1954). Die große Sonderausstellung "Inspiration Matisse" solle aber auch den starken Einfluss des Malers, Bildhauers und Grafikers auf deutsche Künstler zeigen, sagte der Direktor der Kunsthalle, Johan Holten, am Mittwoch in Mannheim. Als "Künstler für Künstler" habe Matisse mit zeichenhaften und farbintensiven Werken eine ganze Generation inspiriert. Anlässlich des 150. Geburtstags des "Pioniers der Moderne" werden von Freitag an bis zum 19. Januar rund 130 Gemälde, Plastiken, Keramiken und grafische Arbeiten gezeigt.
Matisse gilt als einer der ganz großen Künstler des 20. Jahrhunderts und französisch-deutscher Brückenbauer der Kunst. Präsentiert werde die Entwicklung des Malers, Bildhauers und Grafikers, der sich fortwährend bis zur Grenze der Abstraktion weiterentwickelt habe, sagte der Matisse-Forscher Peter Kropmanns aus Paris, der die Schau gemeinsam mit der früheren Kunsthallen-Direktorin und jetzigen Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar, Ulrike Lorenz, kuratierte.
Synonym für malerische Innovation
Präsentiert würden die Anfänge von Matisse, als er um 1898 die Farbe in seiner Malerei entdeckte und von dunklen Tönen zu lichten Farben wechselte, hieß es. Den Übergang zeigt etwa sein Gemälde "Das Atelier unter dem Dach" (1903), das sich auch Matisses zweitem Thema widmet, nämlich dem Blick aus dem Fenster.
Schwerpunkte der Ausstellung sind den Angaben zufolge Gemälde, aber auch einige Skulpturen und Grafiken. Als Publikumsliebling sei Matisse ein Synonym für malerische Innovation. Obwohl er schon früh Erfolge feierte, setzte sich der Künstler keineswegs zur Ruhe, sondern experimentierte und begann immer wieder Neues. Er prägte somit die Kunst des 20. Jahrhunderts nachhaltig und hatte auch Einfluss auf den französischen Fauvismus und den deutschen Expressionismus.
Formal und inhaltlich wies Matisse neue Wege und bewirkte individuelle künstlerische Befreiungen, wie es hieß. Gezeigt werden daher auch Werke von Künstlern wie Georges Braque, Henri Manguin, Ernst Ludwig Kirchner, August Macke, Max Pechstein, Rudolf Levy sowie Oskar und Margarete Moll.
"Eine unverschämte Frechheit nach der Anderen"
Den Künstler, der zunächst eine juristische Laufbahn einschlug, faszinierte schon früh die Darstellung der - meist weiblichen - Figur im Raum. Einer der Höhepunkte in Matisses Werk und in der Ausstellung sind vier lebensgroße weibliche Rückenakte in Bronze. Diese seien zwar von 1909 bis 1930 entstanden, aber erst in den 1950er und 1960er Jahren in Bronze gegossen worden, erklärte Kropmanns. Der vierte und progressivste Akt stammt aus der eigenen Sammlung der Kunsthalle.
Mit einer Ausstellung 1910 in Berlin polarisierte Matisse beim Publikum wie bei Künstlerkollegen: "Eine unverschämte Frechheit nach der Anderen", befand etwa Max Beckmann. Ernst Ludwig Kirchner und Max Pechstein urteilten: "Matisse z. T. recht wüst." Die Reaktionen fasste Max Liebermann in einem Brief an seinen Künstlerkollegen Matisse so zusammen: "Sie haben hier glühende Bewunderer und leidenschaftliche Spötter. Aber das Wichtigste ist, dass man Ihre Werke nicht mit Gleichgültigkeit betrachtet."

