Frankfurt a.M. (epd). Das Historische Museum Frankfurt am Main zeigt von Donnerstag an eine Ausstellung über das Vergessen. Das Erinnern werde im Allgemeinen als gut und das Vergessen als schlecht bezeichnet, sagte der Direktor Jan Gerchow am Mittwoch. "Die Ausstellung zeigt: das Vergessen ist der Bruder des Erinnerns. Ohne Vergessen gibt es kein Erinnern, keine neuen Gedanken und Zukunft." Die Schau "Vergessen - Warum wir nicht alles erinnern", die bis zum 14. Juli zu sehen ist, beleuchtet anhand von rund 400 Exponaten, Film-, Hörstationen und Kunstwerken verschiedene Aspekte des individuellen und kollektiven Vergessens.
Notwendiger Filter des Gedächtnisses
Dazu dienen Erkenntnisse aus Sozialwissenschaft, Kulturgeschichte, Neurowissenschaft, Psychoanalyse und Kunst. "Die Schau untersucht das Gedächtnis quasi von der Rückseite", sagte Gerchow. Das Vergessen sei ein notwendiger Filter des Gedächtnisses. Ohne Auswahl und Konzentration bleibe nichts haften. Die Ausstellung werfe ein Licht darauf, dass es individuell und gesellschaftlich Gründe gebe, weshalb Menschen vergessen und verdrängen oder nicht vergessen können.
Die Schau nimmt in einzelnen Themenbereichen das autobiografische Gedächtnis und den geschichtlichen Wandel des Vergessens in den Blick. In neurowissenschaftlicher Perspektive geht es um die Hirnforschung und die Angst vor dem Vergessen durch Demenz. Das gesellschaftlich bedingte kollektive Vergessen wird anhand des Umgangs mit dem Nationalsozialismus und den Opfern des Luftkriegs dargestellt. Hingegen führen existenzgefährdende Erlebnisse zu einem Nicht-Vergessen-Können, behandelt an der Forschung zu Holocaust-Überlebenden und der posttraumatischen Belastungsstörung von Soldaten. Schließlich geht es um das kulturelle Erinnern, das ein Vergessen überwinden will.

