Nach Tötungsdelikt in Chemnitz (Archivbild)
epd-bild/Wolfgang Schmidt
Rund viereinhalb Monate nach der tödlichen Attacke von Chemnitz hat der Verteidiger des Verdächtigen Yousif I. A. die Einstellung des Verfahrens gegen seinen Mandaten beantragt.
09.01.2019

Gegen den 23-jährigen Iraker liege kein Tatverdacht vor, erklärte der Berliner Rechtsanwalt Ulrich Dost-Roxin. Auch die etwa 150 vernommenen Zeugen hätten eine Tatbeteiligung nicht belegen können. Das Ermittlungsverfahren sei daher einzustellen, verlangte Dost-Roxin von der Staatsanwaltschaft.

Am 26. August war es am Rande des Chemnitzer Stadtfestes zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen gekommen, die eskalierte. Der Deutschkubaner Daniel H. (35) wurde dabei erstochen. Der tödliche Vorfall löste eine Reihe ausländerfeindlicher Proteste in der Stadt aus, die bundesweit für Aufsehen sorgten.

Keine Beweise einer Tatbeteiligung

Ermittelt wurde danach gegen drei Männer. Gegen einen von ihnen, den 23-jährigen Syrer Alaa S. (23), hatte die Staatsanwaltschaft Chemnitz mehr als vier Monate nach der Tat Anklage erhoben. Ihm werden gemeinschaftlicher Totschlag sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Sein mutmaßlicher Komplize, der Iraker Farhad R. A. (22), ist noch immer flüchtig und wird mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Sein Mandant Yousif I. A. sei Ende August ohne Rechtsgrund am Tag des Todes von Daniel H. in Untersuchungshaft gebracht worden, erklärte Dost-Roxin. Obwohl es keine Beweise einer Tatbeteiligung gegeben habe, sei damals Haftbefehl erlassen worden. Von Zeugen sei Yousif I. A. aber schon zu diesem Zeitpunkt "glaubhaft entlastet" worden. Auf Antrag der Verteidigung war der Haftbefehl am 18. September aufgehoben worden.

Mehrfach auf das Opfer eingestochen

Laut Anklage soll Alaa S. am 26. August 2018 während eines Streites "ohne rechtfertigenden Grund mit einem mitgeführten Messer im bewussten und gewollten Handeln" auf das Opfer mehrfach eingestochen haben. Laut Anklage verübte er die Tat gemeinsam mit dem noch flüchtigen Farhad R. A..

Die Staatsanwaltschaft hatte am Dienstag in Chemnitz mitgeteilt, dass über den Abschluss des Verfahrens gegen Yousif I. A. "in absehbarer Zeit" entschieden werde. Ein Einstellungsbescheid liege jedoch noch nicht vor, teilte Dost-Roxin mit. Die Staatsanwaltschaft hatte jedoch auch bestätigt, dass es für eine Tatbeteiligung keine Zeugen und "keine objektiven Spuren" gegeben habe.

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