Berlin (epd). Das Berliner Humboldt Forum im neuerrichteten Stadtschloss soll wie geplant Ende 2019 eröffnen. Der Bauvorstand der Stiftung Humboldt Forum, Hans-Dieter Hegner, sagte am Montag bei einer Baustellenbegehung, der Bau sei im Kosten- und Zeitplan. Er gehe davon aus, dass im November nächsten Jahres alles baulich fertiggestellt und das Gebäude betriebsbereit sei. Ob bis dahin auch alle Ausstellungen "an den Start" gingen, sei allerdings noch offen.
Der Wiederaufbau des Berliner Schlosses kostet nach aktuellen Angaben knapp 600 Millionen Euro. Davon trägt der Bund 483 Millionen Euro, das Land Berlin 32 Millionen Euro. Weitere 105 Millionen Euro sollen durch private Spenden insbesondere für die historische Fassade zusammenkommen.
Das Humboldt Forum soll künftig als interdisziplinäres Kulturhaus ähnlich dem Pariser "Centre Pompidou" neben einer Berlin-Ausstellung unter anderem die Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst zeigen. Außerdem soll das "Humboldt Labor" wissenschaftliche Debatten anregen und eine eigene "Academy" Bildungsangebote machen. Bereits zum 250. Geburtstag des Universalgelehrten und Naturforschers Alexander von Humboldt (1769-1859) am 14. September 2019 will das Humboldt Forum zu einer Vor-Eröffnung einladen, hieß es.
Historische Schlossfassaden
Als wichtige Aufgaben für dieses Jahr nannte Hegner unter anderem die Überführung großer Exponate wie Südseeboote und Südseehäuser aus den inzwischen nicht mehr für Besucher zugänglichen Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für asiatische Kunst in Berlin-Dahlem in das Humboldt Forum. Der Transport müsse in den Bauablauf eingetaktet werden, weil die Objekte nicht vollständig auseinandergebaut werden können. An der Innenfassade des Schlossbaus seien deshalb große Öffnungen zum Foyer freigelassen worden.
Bis Ende des Jahres soll auch die Klimatechnik für das Gebäude installiert und schrittweise in Betrieb genommen werden. Außerdem sollen bis Juni alle rekonstruierten historischen Schlossfassaden fertiggestellt werden. Ab Mai soll die Kuppel gedeckt werden. Die Installation der Laterne als Kuppelaufsatz ist aber erst für 2019 geplant. Für den Schlüterhof sollen im Laufe des Jahres rund 20 große Skulpturen, sogenannte Kolossal-Figuren, erstellt werden.
Johannes Wien kündigte als Sprecher des Stiftungsvorstands an, die Beschäftigtenzahl von jetzt 90 auf 320 bis 350 Mitarbeiter auszubauen. Aufsichtspersonal, Gastronomie und Shops seien dabei nicht einberechnet. Derzeit werde im Humboldt Forum mit seinen zahlreichen Ausstellungs- und Veranstaltungsflächen, Restaurants und Museumsshops mit drei bis vier Millionen Besuchern im Jahr gerechnet. Das künftige Jahresbudget gibt Wien mit 60 Millionen Euro an.
30 Millionen Euro fehlen
Die vom Förderverein betriebene Spendensammlung für die Rekonstruktion der historischen Fassade hat bislang 71,3 Millionen Euro erbracht. In den verbleibenden knapp zwei Jahren sollen weitere rund 30 Millionen Euro aufgebracht werden, sagte Wien.
Auch wenn das Humboldt Forum noch nicht bespielt werden kann, stehen in diesem Jahr weitere Veranstaltungen und Ausstellungen auf dem Programm. So soll am 22. März in der Humboldt-Box neben der Baustelle die Ausstellung "[laut] Die Welt hören" gezeigt werden. Es geht dabei um das Phonogramm-Archiv des Ethnologischen Museums und das Lautarchiv der Humboldt-Universität, die Ende 2019 im Humboldt Forum zusammengeführt werden.

