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Silberfische in Neubauten
Haben so kleine Zähnchen...
Silber- und Papierfische kommen neuerdings wieder massenweise vor. In Neubauten. Ihr liebstes Futter sind neben Staub und Essensresten auch Papier, Pappe und bei uns mein liebster Kunstdruck!
04.01.2024

Beim ersten Mal war ich noch völlig ahnunglos: Ich wischte unter unserem Bett und irgendwas lief weg... patsch. Ich schaute mir das nun leblose Wesen kurz an und wunderte mich. Es wirkte echt groß, lange Fühler, ein weiß-silbriger Körper. 

Ein paar Wochen später im Bad: wieder ein weghuschendes Wesen mit Fühlern, diesmal aber dunkler, wieder "patsch" mit dem Hausschuh; bald geschah ähnliches überall in der Wohnung und es war klar: Wir haben Silber- und Papierfische in unseren vier Wänden.

Wie bitte? Silberfische? In unserer niegelnagelneuen Neubauwohnung? Ja eben genau, erklärte mir der nette Hausmeister von der Baugenossenschaft gegenüber. Silber- und Papierfische seien längst eine Plage in vielen Neubauquartieren. Früher habe das Mauerwerk Zeit zum Trocknen gehabt, heute würden die Leute einziehen, kaum dass die Malerin ihren letzten Strich getan habe. Zur Feuchtigkeit sei Wärme ein weiterer Anziehungspunkt. Wir heizen echt wenig, doch unsere Wohnung ist gut isoliert, wir haben eine Fußbodenheizung. Dann erwähnte er Amazon und Co, Pappe und Papier seien ein Lieblingsfutter. 

Nö, betrifft mich nicht. Ich will helfen, den Einzelhandel zu erhalten und boykottiere Amazon wie andere Lieferdienste. Er daraufhin: "Das hilft ihnen leider gar nichts. Die Fischchen krabbeln aus den Altpapiercontainern im Müllraum im Erdgeschoss locker auch ein paar Stockwerke hoch."  In allen Neubau-Häusern, die er betreue, jammerten die Leute über die Plage. Nur laut drüber reden würden sie nicht. Sei halt peinlich!

Unten rechs - ein komisch geformter weißer Fleck war der erste Hinweis - es folgten weitere "Löcher" im Druck

Eines sonnigen Tages bemerkten wir auf unserem liebsten Kunstdruck an der Wand ein komisches "Loch". War das schon immer da? War das Bild mal von der Wand gefallen? War ich das mit dem Staubsauger (ja, ja, ich sauge auch Bilder ab) gewesen? Irgendwann dann ein weiterer, dann noch einer. Ich schrieb der uns bekannten Künstlerin: "Hallo Sabine, unser Druck hat 'Masern'. Kann es sein, dass da die Farbe abgeht?" Nein natürlich nicht, antwortete sie, wir sollten mal vorbeikommen, sie könne das sicher ausbessern. Wir machten einen Termin ab. Doch vorher noch stolperte ich über dieses Video in der ARD und fiel vor Schreck fast vom Stuhl: Na klar, das waren die Papierfische. Sie fraßen unseren Lieblingsdruck!

Das Gespräch mit dem netten Hausmeister ist gut vier Jahre her - und längst haben wir uns an die unschönen Klebefallen in jedem Raum gewöhnt. Alle paar Wochen tausche ich sie aus, immer sind da tote Tierchen der unterschiedlichsten Größe drin, von kaum sichtbar bis zwei-Zentimeter-Monster. Ich lernte, dass Silberfische bis zu acht Jahren alt werden und nicht gesundheitsgefährdend sind; im Gegenteil, sie fressen ja auch Milben. Sie kommen auch in putzfeinen Wohnungen wie der unseren vor (s.o. ich liebe Staubsaugen), und niemand muss sich schämen. Zweimal war ein Schädlingsbekämpfer da und hat giftiges Klebzeug in der ganzen Wohnung direkt an den Fußbodenleisten auf dem Parkett verteilt. Das gab nicht nur eklige Flecken, es hat auch nur kurz geholfen. 

Könnten wir die Fischchen nicht auch einfach leben lassen? Von Nachbarn hörte ich, dass es dort so schlimm sei, dass ihre Mieter nun die Miete mindern würden. Unser reparierter Druck ist jetzt unter Glas, aber jedes Mal, wenn ich ein Buch aus dem Bücherbord hole, habe ich Angst vor "Löchern", erst recht bei den mir so kostbaren Fotoalben unserer Familie. Und neulich war so ein Kerlchen sogar bei uns im Bett. Ich bleibe bei den Klebefallen. Falls jemand hier bessere Tipps hat - immer her damit. 

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In eigener Sache. Es gab gleich nach Veröffentlichung meiner Kolumen verschiedene Rückmeldungen. Die meisten empfahlen Sprays -und diese Vergleichsseite mit verschiedenen Marken: https://www.vergleich.org/silberfisch-spray/

Die meisten gibt es bei Amazon, leider. Aber ich werde bestimmt auch einen Laden finden, wo ich das direkt kaufen kann. 

Dorothea Heintze

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Kolumne

Dorothea Heintze

Dorothea Heintze lebt in einer Baugemeinschaft in Hamburg und weiß aus eigener Erfahrung: Das eigene Wohnglück finden ist gar nicht so einfach. Dabei gibt es tolle, neue Modelle. Aber viele kennen die nicht. Und die Politik hinkt der Entwicklung sowieso hinterher. Über all das schreibt sie hier.