Der Verfasser der Offenbarung, des letzten Buches der Bibel, fühlt sich berufen, endgültige Urteile zu fällen. Abschließend charakterisiert er auch die Menschen, die sich der christlichen Gemeinde in Philadelphia zugehörig fühlen. Er spricht von einer Tür, die niemand mehr schließen kann, und von der kleinen Kraft, die der Gemeinde zur Verfügung steht. Vermutlich hat sich die Gemeinde in den Zeiten der Christenverfolgung standhaft gezeigt und wahrscheinlich haben auch einige ihrer Mitglieder für ihren Glauben mit dem Leben bezahlt.
Die Lage damals ist mit der unserer Gemeinden kaum vergleichbar. Lediglich wohl die Beobachtung, dass den Christen von heute ebenfalls nur wenig Kraft zur Verfügung steht. Dabei ist nicht die Rede von öffentlichem Einfluss, von politischem Gewicht, von Kirchensteueraufkommen oder Mitgliederzahlen. Gemeint ist die geistige Präzision, um die Lage der Gesellschaft und die eigene Situation nüchtern und treffend zu beschreiben, gemeint ist auch die geistliche Power, die Kraft der Überzeugung, die Gewissheit des Glaubens und die Macht des Gebets. Mit all dem ist es auch bei uns nicht weit her. Aber es ist tröstlich zu wissen, dass Gott nicht auf den großen Glaubensauftritt und die hehren Überzeugungstaten wartet, sondern auf die Treue im Kleinen. Es sind die kleinen Taten, die verborgenen Verlässlichlichkeiten, die diese Welt zusammenhalten. Nicht der große Wurf, sondern die unauffällige Handreichung, nicht die große öffentliche Rede, sondern das fast beiläufige, aber unüberhörbare Bekenntnis im Alltag kann anderen den christlichen Glauben glaubhaft und glaubwürdig machen.

