chrismon: Die Rentenreform kommt. Wir sollen künftig länger arbeiten und nicht so früh in Rente gehen. Aber viele machen die Erfahrung: Mein Unternehmen will mich gar nicht bis 67 beschäftigen …
Adrian Lerche: … das ist aus Sicht der Unternehmen auch verständlich. Ältere Arbeitende sind manchmal nicht mehr up to date mit technischen Neuerungen …
… dann muss man sie eben weiterbilden!
Klar, aber das kostet. Und lohnt sich aus Sicht der Unternehmen oft nicht, weil die Personen ja dann doch bald in Rente gehen.
Aber jahrelang wurde doch gesagt, gerade ältere Mitarbeitende haben viel wertvolles Erfahrungswissen. Sie sollen bitte bleiben, weil sonst: Fachkräftemangel!
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Herausforderungen im Alter
Ich bin 74 und arbeite immer noch – seit 10 Jahren selbstständig, das verleiht mehr Freiheit. Seit einem Jahr nicht mehr ganz so viel, aber immer noch genug. Ich weiß, dass das nicht alle machen können, trotzdem wundere ich mich über das schlechte Image, das Arbeit hat. Und darüber, dass viele gerade mal 60-Jährige lieber in der Welt herumfahren wollen, statt bis zur Rente zu arbeiten. Denn es gibt ja immer noch von größeren Unternehmen Frühverrentungsprogramm – Altersteilzeit z.B., die den Ausstieg um die 60 ermöglichen.
Wenn in den nächsten paar Jahren Jobs wieder rar werden, wird sich sowohl bei der Einstellung der Jungen zur Arbeit und zur Arbeitszeit viel ändern, als auch bei den Älteren, die dann die vermutlich erzwungene Frühverrentung beklagen werden – zu Recht. Denn nichts ist wichtiger für eine alternde Gesellschaft, als dass die Menschen lange aktiv bleiben. In Japan kann man das studieren. Privataktivitäten sind dafür kein wirkliches Äquivalent. Es geht auch um Herausforderungen, denen man sich im Alter noch stellen sollte.
Sabine Schaub
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Einfach weitergearbeitet
Ich bin jetzt 75 Jahre alt und seit 10 Jahren Rentnerin. Als Ärztin (hausärztlich tätige Internistin) habe ich zunächst unverändert weitergearbeitet. Vor 6 Jahren wurde mein Enkel geboren. Seit er in die Kita geht und meine Schwiegertochter wieder arbeitet, habe ich noch halbtags gearbeitet und bin nachmittags hauptberuflich Oma.
Jetzt arbeite ich abwechselnd mit meinem Mann - er wird im Herbst 78 Jahre alt - halbtags entweder in meiner Praxis oder in der Praxis meiner Kinder (Sohn und Schwiegertochter sind beide auch als Hausärzte tätig) und bin weiterhin nachmittags Oma.
Wenn mich meine Patienten fragen, wie lange ich noch arbeite, antworte ich: solange es mir gut geht. Jetzt haben wir eine Kollegin gefunden, die ab nächstes Jahr in unserer Praxis mitarbeiten will. Manche Patienten und ihre Familien kenne ich schon seit 40 Jahren und inzwischen ist es für Patienten leider schon schwierig geworden , einen neuen Hausarzt zu finden.
Natürlich fühle ich mich privilegiert, da meine Tätigkeit nicht körperlich anstrengend ist. Es handelt sich um eine mentale Tätigkeit. Zusammenfassend kann ich sagen, wenn man weiter arbeitet und aktiv ist, baut man körperlich und geistig nicht so schnell ab.
Maike Z.-S.
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Froh, noch ein paar Jahre bis zur Rente zu haben
Ich bin 1963 geboren, habe über 40 Jahre in der Pflege gearbeitet. Nach der Pandemie 2023 kam dann der Zusammenbruch. Der Pflegeberuf, für den ich Jahrzehnte gebrannt hatte, war keine Option mehr. Mein Mann, Jahrgang 1956, ging 2022 in Rente, hatte anfangs schon etwas Umstellungsschwierigkeiten, aber auch ich trat kürzer, nahm eine Bürotätigkeit an, zwei Tage die Woche im Büro unserer Pfarrei. Es spielte sich ein.
Mein Mann und ich wollten, nach einem arbeitsreichen Leben viel Zeit miteinander verbringen, in den Bergen, mit Städtereisen uvm. Ich erwog auch, früher in Rente zu gehen, damit wir unabhängiger wären. Anfang 2025 erhielt mein Mann die Diagnose Darmkrebs, am 19. Juli 2025 starb er.
Jetzt kämpfe ich mich in ein Leben als Alleinstehende. Bin froh, den Teilzeitjob zu haben. Die Pfarrgemeinde ist ein soziales Netz, die Arbeit gibt mir Struktur und geistige Beschäftigung. Das ist sehr wichtig, wenn man alleine ist. So macht einem das Leben Striche durch die Rechnung, wirft Pläne um und plötzlich stellen sich ganz andere Fragen. Ich hab mich immer auf die Rente gefreut, jetzt bin ich froh, noch ein paar Jahre bis dahin zu haben.
Gabriele G.
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Erfahrungsbericht: Arbeiten im Alter bzw. Rente
Arbeitslebenslauf: 12 Jahre als Diplomsozialarbeiterin (FH) gearbeitet, dann über 20 Jahre als freiberufliche Beraterin + Trainerin. In dieser Zeit MBA in International Consulting erworben sowie mehrere Zusatzausbildungen absolviert. Nachdem viele Kunden in Ruhestand gegangen waren, hat mich die Selbständigkeit nicht mehr ernährt.
Es folgten viele hunderte Bewerbungen ab 2017, geboren bin ich 1958. Nur durch Zufall erhielt ich meine 1. Anstellung – wieder als Sozialarbeiterin zu einem lausigen Gehalt bei einem privaten Bildungsträger.
Über 7 Jahre mit immer nur befristeten Arbeitsverträgen, keiner Verlängerung, jedes Mal Arbeitslosigkeit dazwischen, weiteren 100 Bewerbungen, teilweise ohne Arbeitslosengeld, arbeitete ich mich nach oben zu einem traumhaften Gehalt bei einer Betreuungsbehörde einer Kommune.
Die Stellen waren auf Grund einer Gesetzesänderung vermehrt worden, man bat mich Vollzeit zu arbeiten! Dann Kündigung am Ende der Probezeit, vermutlich auf Grund von Haushaltseinsparungen.
Dann mit Rentenbeginn der nächste Schock: 15 Bewerbungen bei einer Kommune, noch nicht einmal 1 Bewerbungsgespräch.
Da ich nur eine kleine Rente bekomme gehe ich nun mit 2 Diplomen (!!!) putzen und betreue wöchentlich eine demente Dame im Altenheim.
So hatte ich mir den 3. Lebensabschnitt nicht vorgestellt!
schreibt eine fitte, agile, fachlich kompetente, lebenserfahrene, vielseitig interessierte + neugierige 68-Jährige
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