Hans Scherhaufer/epd-bild
20.10.2010

In vielen Ländern hat der Name Dietrich Bonhoeffers einen guten Klang. Er gehörte zu den Verschwörern gegen Hitler. Am 9. April 1945 ließ er dafür sein Leben. Wider Willen wurde er so zu einem christlichen Märtyrer. Keinen Zweifel gab es an seinem Motiv: Er wollte der mörderischen Gewalt ein Ende machen. Dafür war er bereit, Schuld auf sich zu nehmen. Denn als Schuld sah er jede Gewalt gegen einen anderen Menschen an ­ mochte dieser auch Adolf Hitler heißen.

Wäre Dietrich Bonhoeffer noch am Leben, würde er am 4. Februar dieses Jahres 95 Jahre alt. Viele Menschen werden an ihn denken. Denn an diesem Tag wird eine Initiative in Gang gesetzt, die viel von Bonhoeffers Geist atmet. Die Christenheit verpflichtet sich auf die Überwindung von Gewalt. Der Ökumenische Rat der Kirchen, der weltweit umfassendste Zusammenschluss christlicher Kirchen, ist der Träger dieser Initiative. In Berlin wird sie eröffnet; auf zehn Jahre ist sie angelegt. Wer Frieden fördern und Gewalt abbauen will, braucht Ausdauer.

"Selig sind die Friedensstifter." Durch die Begegnung mit der Bergpredigt wurde Bonhoeffer nach eigener Einschätzung erst wirklich zum Christen. "Es gibt doch nun einmal Dinge, für die es sich lohnt, kompromisslos einzutreten", schrieb er 1935 an seinen älteren Bruder. "Und mir scheint, der Friede und die soziale Gerechtigkeit, oder eigentlich Christus, sei so etwas." Bonhoeffer suchte einen Weg zum Frieden jenseits der auf Gewalt gestützten Sicherheit. Fasziniert war er von Gandhis Weg der Gewaltlosigkeit; ihn erstaunte, dass ein Hindu aus der Botschaft der Bergpredigt radikalere Folgerungen zog als die meisten Christen. Doch Bonhoeffers Plan, Gandhi in Indien zu besuchen, erfüllte sich nicht. Die Zeiten standen dagegen.

Und auch im Blick auf die Gewalt musste Bonhoeffer umlernen. Der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ließ sich nur ein Ende setzen, wenn jemand dem Tyrannen in den Arm fiel. In einer solchen Situation nur das Prinzip der Gewaltlosigkeit zu verfolgen und um eines reinen Gewissens willen dem Rad nicht in die Speichen zu greifen, hieß für Bonhoeffer schuldig zu werden.

Leicht ist die Eindämmung und der Abbau von Gewalt nicht. Wer sich ihren konkreten Formen aussetzt ­ in den Familien und auf den Straßen, gegen Fremde oder in internationalen Konflikten ­, weiß aber, dass wir in dem Bemühen darum nicht nachlassen dürfen.

Ausgerechnet an Dietrich Bonhoeffers 95. Geburtstag beginnt eine neue Initiative zur Überwindung von Gewalt. Ich finde, das passt. Wolfgang Huber

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