Die Menschen in den USA diskutieren über die Todesstrafe. Zwei Nachrichten wühlen das Land auf: Zum einen misslang die Hinrichtung von Christa Pike auf verstörende Weise. Sie erhielt zwei Spritzen mit einem überdosierten Schlafmittel. Pike hatte zuvor angegeben, dass Blutentnahmen ihr immer wieder Probleme bereitet hätten. Es zeigte sich: Pike hatte die Wahrheit gesagt. Nach Angaben ihrer Anwälte brauchte das Hinrichtungsteam mindestens sieben Nadeln, um einen Zugang zu legen. Später brachte man Christa Pike in ein Krankenhaus. Ihre Anwälte gingen bereits davon aus, dass sie hirntot sei und die Beatmungsmaschine abgeschaltet werde, als sie wieder zu sprechen begann. Mittlerweile ist sie wieder inhaftiert.
Christa Pike ist heute 50 Jahre alt. Als 18-Jährige war sie an einem grauenvollen Mord beteiligt. Ein Gericht sah als erwiesen an, dass Pike mit ihrem damaligen Freund und einer weiteren Person eine Mitschülerin grausam mit einem Teppichmesser gefoltert und später umgebracht habe. Pike wuchs in schwierigen Verhältnissen auf, sie wurde jahrelang sexuell missbraucht und ist psychisch krank. Doch ihre Pflichtverteidiger brachten das im Prozess kaum zur Sprache; nach Angaben ihres heutigen Anwalts erfuhren die Geschworenen nichts von dem Missbrauch.
Wie unter einem Brennglas zeigt der Fall Christa Pike zentrale Kritikpunkte auf, die Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International seit Jahrzehnten an der Todesstrafe üben: Sie verletzt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, nach der jeder Mensch ein Recht auf Leben hat. Sie ist unmenschlich. Es gibt schlicht keine humane Art, einen Menschen zu töten. Zeugen der geplanten Hinrichtung von Christa Pike dürften ebenso traumatisiert zurückbleiben wie diejenigen Menschen, die an ihr mitwirkten. Und: Die Todesstrafe verhindert eben keine weiteren Taten.
Die USA werden immer wieder durch schwere Straftaten erschüttert. Das Land hat ein notorisches Problem mit Schusswaffengewalt. Die Zahl der Hinrichtungen in den USA hat sich zuletzt fast verdoppelt: von 25 im Jahr 2024 auf 47 im vergangenen Jahr, vor allem weil Florida so viele Menschen hinrichten ließ wie nie zuvor. Und das, obwohl Geschworene immer seltener neue Todesurteile fällen.
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