Haustiere
Wann fühlt sich mein Kater endlich zuhause?
Ich habe mich in eine Katze aus dem Tierheim verliebt und sie zu mir geholt. Doch es dauerte sehr lange, bis sie Nähe zulassen konnte - eine echte Herausforderung für beide
Schwarze Katze schaut über die Sofakante Richtung Kamera.
Lange beäugte Hugo seine neue Besitzerin argwöhnisch.
Laura Cantoni
Anna Schneider
28.08.2026
6Min

Anfang Januar, Behandlungszimmer 1: Die Tierärztin holt die Spritze aus dem Schrank. Hugo bekommt heute seine Impfung. Ob ich ihn halten will, werde ich gefragt. "Oh Gott", antworte ich. "Ich habe ihn noch nie angefasst." Wie ich das denn meine, will die Ärztin wissen. Dass der Kater erst seit kurzem bei mir lebt und sehr scheu ist, erkläre ich. "Da haben Sie ihn noch nie angefasst?", hakt sie mit fragendem Blick nach, als wären wir bei der versteckten Kamera.

Auch ich fühle mich veräppelt in diesen Tagen. Bevor ich Hugo vor zwei Wochen aufgenommen habe, hatte ich in der Küche seinen Futterplatz eingerichtet und jeden Raum mit Kartons ausgestattet. Ich hatte mir ausgemalt, wie er nach seiner Ankunft die Wohnung erkunden, wir zusammen auf der Couch liegen würden. Doch dann kam alles anders.

21. Dezember: Ich bin mit zwei Freundinnen im Tierheim, um Hugo abzuholen, in den ich mich wegen seines Fotos auf der Tierheim-Website sofort verliebt habe. Wie er wohl sein würde? Frech, sagten manche Freunde, als ich ihnen das Bild zeigte. Ein Draufgänger, sagten andere, flauschig alle.

Eine Eingewöhnung ist für Katzen massiver Stress

Wo er denn ist, fragen wir, als wir nun im Katzenzimmer sind. Die Tierpflegerin zeigt unter einen Stuhl in der Ecke. Nur der weiße Latz ist zu erkennen, der Rest von Hugo verschwindet im Dunkel. Er ist Streuner, hat noch nie mit Menschen zusammengelebt. Weder von den anderen Katzen noch vom Personal will er was wissen. Ob ich mir sicher sei, dass ich so einen scheuen Kater möchte, fragt die Tierpflegerin. Ob ich die Geduld dafür hätte, sein Vertrauen zu gewinnen, oder nicht lieber eine "Kuschelkatze" wolle, wie sie im Zimmer nebenan herumtobten.

Zwei Stunden später liegt Hugo in seiner offenen Box in meinem Bad. Drei Stunden später immer noch. Fünf Stunden später schicke ich einer Freundin ein Foto. Sie schreibt: "Oh mein Gott, sitzt er da immer noch drin?" Auch als ich ins Bett gehe, liegt Hugo in seiner Box, und am nächsten Morgen.

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