Demenz
Mach’s gut, Oma!
Ein Enkel muss zusehen, wie die Großmutter langsam in Demenz und Wahn entgleitet. Wie Abschied nehmen von einem Menschen, der immer noch da ist – und doch schon nicht mehr?
Mach's gut, Oma!
Stillleben in der Wohnküche - Erinnerungen an die Oma
Maxim Chuvashov/Plainpicture
David-Pierce Brill
26.12.2025
10Min

Als ich meine Oma Ende Juni besuche, steht sie ­hinter ihrem Bett und räumt allerlei Ge­rümpel zur Seite, um an einen Schrank zu kommen. Sechs Wochen haben wir uns nicht gesehen. ­"Hallo, Oma", rufe ich freudig. Sie schaut kurz auf, murmelt eine Begrüßung und räumt weiter. Ich eile zu ihr, will ihr helfen, damit sie nicht stürzt, und frage, was sie denn eigentlich suche. "Eine Schale für die Hochzeit."

"Welche Hochzeit?"

Wer genau heiratet, weiß sie gerade nicht, aber dass das unbekannte Paar eine Schale meiner Oma braucht, steht außer Frage. Ich räume alles zur Seite, öffne den Schrank und sehe alte Sherrygläser und Plastikboxen. "Oma, hier ist keine Schale", sage ich zu ihr, während sie mich, auf ihre beiden Stöcke gestützt, beobachtet. Meine Oma blickt um sich und fragt: "Wo ist denn jetzt die Frau hin?"

"Welche Frau?"

"Hier stand doch die ganze Zeit eine Frau, die die Sachen für die Hochzeit abholen wollte." Schweigen. "Oder habe ich das alles nur geträumt?"

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