Schulkind hält in einer Schule einen großen, selbstgebastelten Weihnachtsmann in die Kamera
"Es kommt meistens besser an, wenn die Klasse für eine Lehrkraft gemeinsam etwas bastelt"
Dusan Stankovic / Getty Images
Was darf ich der Lehrerin schenken?
Kein Geld! Keine Gutscheine!
Lehrerinnen und Lehrer dürfen keine teuren Geschenke annehmen. Aber Eltern können auf andere Weise ihre Wertschätzung zeigen, erklärt Claudia Koch vom Bundeselternrat
Tim Wegner
07.12.2023
3Min

Besonders in Grundschulklassen wird in vielen Elternchats in der Adventszeit die Frage diskutiert: "Schenken wir der Klassenlehrerin etwas zu Weihnachten?" Dürfen Eltern das überhaupt?

Claudia Koch: Als Bundeselternrat können wir keine allgemeingültige Empfehlung für alle Schulen abgeben. Schenken ist sehr individuell. Wenn eine Klassengemeinschaft wichtelt und die Klassenlehrerin am Ende nichts bekommt, fände ich das komisch. Das hat auch mit Respekt zu tun. Wenn es also eine Höchstgrenze für ein Wichtelgeschenk gibt – zum Beispiel fünf Euro –, ist es aus unserer Sicht unkritisch, wenn man die Lehrkraft auch mit einer Aufmerksamkeit im Wert von fünf Euro bedenkt – sozusagen auf Augenhöhe mit den Kindern.

Claudia KochBundeselternrat

Claudia Koch

Claudia Koch ist stellvertretende Vorsitzende des Bundeselternrates, der Dachorganisation der Landeselternvertretungen in Deutschland. Über seine Mitglieder vertritt der Bundeselternrat die Eltern von rund acht Millionen Kindern und Jugendlichen an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen.
Tim Wegner

Nils Husmann

Nils Husmann ist Redakteur und interessiert sich besonders für die Themen Umwelt, Klimakrise und Energiewende. Er studierte Politikwissenschaft und Journalistik an der Uni Leipzig und in Växjö, Schweden. Nach dem Volontariat 2003 bis 2005 bei der "Leipziger Volkszeitung" kam er zu chrismon.

Was halten Sie für besser – wenn jede Familie für sich schenkt oder alle gemeinsam mit der Klasse?

Es kommt meistens besser an, wenn die Klasse für eine Lehrkraft gemeinsam etwas bastelt. Das ist nicht nur eine schöne Geste, sondern stärkt auch das Gemeinschaftsgefühl. Schenken ist ja nicht nur für die beschenkte Person eine Freude, sondern auch für diejenigen, die jemandem eine Freude bereiten wollen.

Gibt es Grenzen, die in allen 16 Bundesländern gelten?

Leider handhaben es die Länder im Detail unterschiedlich, wie so oft im Bildungswesen. Aber allen Ländern ist gemein, dass sie sich an den Regeln des öffentlichen Dienstes orientieren. Und da gelten strikte Compliance-Regeln: Kein Geld, keine Gutscheine, schon gar nicht teure Gutscheine für Hotelübernachtungen, Restaurantbesuche oder dergleichen! Gutscheine sind nicht erlaubt - auch nicht, wenn sie nur einen geringen Wert haben. Man kann die Lehrer sonst in echte Schwierigkeiten bringen.

Aber Eltern möchten sich doch erkenntlich erzeigen …

Den Begriff finde ich schwierig - sich erkenntlich zeigen. Darin steckt die Erwartung an eine Gegenleistung. Aber darum geht es nicht, sondern es geht um Wertschätzung. Und um die auszudrücken, habe ich einen Tipp.

Der da wäre?

Eben etwas zu basteln oder zu backen mit den Kindern. Das ist unkritisch und eine nette, wertschätzende Geste. Damit kann man jeder Lehrerin, jedem Lehrer eine Freude machen. Mein zweiter Tipp: Wenn Eltern unsicher sind, was in Ordnung ist oder was nicht: Bitten Sie den Elternrat, bei der Schulleitung nachzufragen, was angebracht ist und in Ordnung geht. Dann sind Sie auf der sicheren Seite und lassen die Schule gleichzeitig wissen, dass Ihnen die Arbeit etwas wert ist.

Ein Viertel der Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland ist nicht verbeamtet, sondern angestellt. Macht das einen Unterschied? Darf man ihnen mehr schenken?

Die Regeln gelten für den öffentlichen Dienst – ich kann mir nicht vorstellen, dass zwischen Beamten und Angestellten große Unterschiede gemacht werden. Die meisten Schülerinnen und Schüler und Eltern wissen auch gar nicht, welche Lehrkraft verbeamtet ist und welche nicht. Abgesehen davon impliziert Ihre Frage etwas, das ich so nicht unterschreiben würde.

Was meinen Sie?

Dass größere Geschenke immer die Besseren sind. Ein kleines Geschenk, das gut überlegt und vielleicht mit Liebe und Freude gebastelt ist, hat häufig eine größere Wirkung als ein großes, das zudem die Beschenkten in Bedrängnis bringen könnte.

Haben Sie persönlich als Elternbeirätin schon mal danebengegriffen? Oder einen Volltreffer gelandet?

Tatsächlich beides – allerdings nicht zu Weihnachten. Wir hatten als Abschiedsgeschenk für einen Klassenlehrer einen Gutschein für einen Brunch besorgt, dann aber herausgefunden, dass Gutscheine ein No-Go sind. Das war schon etwas unangenehm, zumal es dem Lehrer sehr peinlich war. Aber wir haben die Situation gut gelöst und den Gutschein zurückgegeben – heute lachen wir drüber, wenn wir uns treffen.

Und der Volltreffer?

Ein Volltreffer war das Abschiedsgeschenk für Herrn Strauß, der Lehrer meines Sohnes hieß so. Für ihn haben die Kinder ein ausgeblasenes Straußenei bemalt und verziert. Darüber hat er sich sehr gefreut. Und die Kinder fanden das superlustig.

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