Dirk von Nayhauß
"Die strengen Nonnen haben mich in den Widerstand getrieben"
Die Schauspielerin Iris Berben spricht über Lebenssinn, den Tod und das Älterwerden.
Dirk von Nayhauß
25.04.2014

Haben Sie eine Vorstellung von Gott?
In meiner Kindheit hat der Kindergott mir ein Korsett gegeben. Er hat mich zwischen Gut und Böse, zwischen Schwarz und Weiß unterscheiden lassen. Das war so leicht. Ich habe unheimlich gern gebetet, bin in Kirchen gegangen, habe mich mit Gott unterhalten, ich habe ihm meine Geheimnisse anvertraut. Gott war ein guter Gesprächspartner. Aber ich habe ihn verloren. Ich habe ­einige Jahre das Internat der Sacré-Cœur-Schwestern in Hamburg besucht, ein Kloster mit sehr strengen Nonnen. Dieser Hardcore-Katholizismus hat mich in einen absoluten Widerstand getrieben. Es wurden keine Fragen beantwortet, sondern es hieß: Man muss Dinge nicht verstehen, sondern glauben. Das hat mich entfernt. Aber manchmal vermisse ich diesen Kindergott. Ich hatte immer jemanden, der da war.

Hat das Leben einen Sinn?
Ja! Jetzt weiß ich es. Als junger Mensch habe ich mich gefragt: Welchen Sinn hat das Leben, wenn alles schon gedacht, alles schon geredet, alles schon gelebt ist?! Das hat mir die Beine weggerissen. Ich dachte: Na, wenn das alles ist, dann brauche ich nicht weiterzumachen. Ich wollte mir das Leben nehmen. Es war niemand da, dem ich meine Fragen und Zweifel hätte mitteilen können. Ich war aus dem Internat geflogen, aus einer beengenden Ordnung, aber es war eine Ordnung gewesen, und plötzlich hatte ich das Gefühl: Ich bin allein. Das hat sich dann alles durch Oliver geändert. Der war nicht geplant, aber als ich schwanger war, habe ich gedacht: Das ist doch mal ein richtig guter Lebenssinn.

Welche Liebe macht Sie glücklich?
Die Liebe zu meinem Sohn Oliver und zurück ist ein gutes ­Beispiel. Ich glaube, wir gehen sehr klug mit unserer Liebe um. Wir versuchen, den anderen nicht einzuengen und nicht zu erpressen und nicht kleinzumachen. Und so stelle ich mir auch ­eine Partnerschaft vor: ohne Erpressung. Ohne Einengung. Ohne Erdrücken.

Muss man den Tod fürchten?
Der Tod hat mich schon beschäftigt, da war ich noch ein Kind. Der Tod war bei mir immer wieder ein ziemlich intensiver Gast. Und ja, man muss ihn fürchten, aber nicht den Tod als Tod, sondern das Nicht-mehr-dabei-sein-Können. Weil ich so gerne lebe, weil ich gerne gestalte und Neues entdecke. Der Tod macht mir keine Angst, er macht mich wirklich nur wütend. Ich möchte nicht weg, ich will nicht aufhören zu leben. Es gibt auch nichts, was ich ­bereue. Und selbst die Sachen, die schief gelaufen sind, waren ­nie so schief, dass sie mir nicht doch wieder ein Stück geraden Weges gegeben hätten.

In „Miss Sixty“ spielen Sie eine Frau, die nicht älter werden möchte. Wie ist das bei Ihnen?
Manchmal bin ich gelassen, manchmal angestrengt, manchmal sehr kleinlich, manchmal sehr selbstbewusst. Was mir am meisten zu schaffen macht? Ich schlafe immer schlechter, noch schlechter, als ich eh schon geschlafen habe. Und natürlich merke ich, dass der Körper nicht mehr die Flexibilität hat, die ich gerne hätte. Ich kann nicht mehr so rennen, bin schneller erschöpft. Die Falten machen mir auch zu schaffen, aber ich kriege in Inter­views mit, dass ich anscheinend für viele Frauen eine Ausnahme­erscheinung bin. Wobei dieses Be- und Verurteilen auch ganz schön paradoxe Züge hat. Ich mache absolut ungeschminkt einen Film wie „Es kommt der Tag“ und lese dann, wie mutig ich sei, ungeschminkt vor eine Kamera zu treten. Bin ich aber geschminkt in einem Film, fragt man: Wie kann eine die ewige Jugend haben? Es machen sich andere wirklich mehr Gedanken über neue Falten, als ich es tue.

Welchen Traum möchten Sie sich noch unbedingt erfüllen?
Den Traum, gesund zu bleiben, geistig wie körperlich. Ich finde, das ist schon so viel. Unverwundbar möchte man sein. Das ist ein Traum, den man so hat.

Wie gehen Sie mit Schuldgefühlen um?
Vom Verstand her denke ich immer: Raus damit, gleich erledigen. Aber dann kommt das Abwägen: Wann ist der richtige Moment? Und so schiebe ich es manchmal vor mir her, doch drinnen kratzt es und klopft und sagt: Du wolltest noch etwas erledigen! Ich bin so ein irrsinniger Erlediger. Ich erledige jeden Tag meine Listen, dann geht es mir besser.

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Es gibt gar kein "Alter". Ein Mensch geht nur durch berufliche Probleme oder durch Selbstzerstörung zugrunde. Im anderen Fall ist der Tod gar kein Unglück, sondern lediglich der Übergang in eine andere Dimension. Auch bei den sogenannten "Naturkatastrophen" handelt es sich eigentlich um eine Selbstzerstörung des Menschen, der nicht mehr im Einklang mit der Natur lebt.

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