Religiosität
Und das soll ich glauben?
Sie betet, seit sie denken kann. Gott ist ihr ein guter Begleiter. Wären da nur nicht diese Zweifel! Ein Essay von Monja Stolz
chrismon-Autorin Monja Stolz sitzt bequem und allein auf einer Kirchenbank der St. Thomaskirche in Frankfurt-Heddernheim
Autorin Monja Stolz sieht sich mit ihren Zweifeln an Gott konfrontiert – und fragt sich, warum sie eigentlich glaubt
Andreas Blauth für chrismon
Lena Uphoff
22.10.2026
10Min

Neulich war ich mal wieder im Gottesdienst, und ich hatte das Gefühl, die Regeln nicht zu kennen: Darf ich mir das Gesangbuch einfach nehmen? Wo setze ich mich hin? Warum noch mal stehen gerade alle auf? Ich wollte doch einfach ein bisschen entspannt in der Kirchenbank rumlümmeln. Und als ich dem mittelmäßigen Orgelspiel lauschte, habe ich mich gefragt, wo Gott ist. Die hohen, steinernen Wände, die bunten Fenster, die brennenden Kerzen – das alles fühlt sich schon heilig an, aber eben nur rituell. Ich kenne das aus meiner Kindheit und habe mich ein bisschen nostalgisch gefühlt, aber ich habe nichts Göttliches gefühlt. Wenn Gott da sein sollte, im "Gotteshaus", dann hat er sich mir heute zumindest nicht gezeigt.

Als ich nach links und rechts schaute, habe ich überlegt, dass Gott vielleicht bei den anderen ist. Bei denen, die das Vaterunser laut mitsprechen und dabei sogar ihre Hände öffnen. Sie sehen so aus, als hätten sie keine Zweifel daran, dass Gott ihnen in die geöffneten Arme springt. Und als sie beim Beten die Augen schlossen, hatte ich den Eindruck, dass sie auch nicht daran zweifelten, dass Gott dieses Gebet erhört.

Ich hatte das Gefühl, nicht dazuzugehören, aber eigentlich auch goldrichtig zu sein. Ich bin ja Christin und glaube an eine höhere Macht, sogar ganz konkret an einen christlichen Gott. Sollte ich deshalb nicht auch in die Kirche gehen? Aber immer, wenn ich an Orten bin, an denen die Leute wirklich fest an Gott glauben, kommen mir Zweifel: Warum bin ich hier, wenn ich nicht mal sicher bin, ob ich an das glaube, woran die anderen glauben? Ich verstehe nicht, warum hier alle so selbstverständlich davon ausgehen, dass es Gott gibt. Wenn ich das mal rational betrachte, ergibt das doch überhaupt keinen Sinn!

Gespräch mit meiner Mutter

Wenn ich mit anderen Gläubigen spreche, nehme ich schnell die Gegenposition ein. Auch, weil mir der christliche Glaube in der rationalen Welt auf einmal ganz komisch vorkommt. So auch neulich in einem Gespräch mit meiner Mutter über eine Bekannte, die schwer krank ist und wahrscheinlich bald sterben wird.

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