Angehörige trauern um Menschen, die bei den Angriffen der USA und Israels gegen den Iran am 28. Februar ums Leben kamen
Fatemeh Bahrami / Anadolu / picture alliance
Krieg im Nahen und Mittleren Osten
Ist der Angriff auf den Iran ein gerechter Krieg?
Die richtige Absicht, ein gerechter Grund, das letzte Mittel - das sind Kriterien für einen Kriegseinsatz, der aus christlicher Sicht gerechtfertigt ist, schreibt der Theologe Heinrich Bedford-Strohm. Sind sie eingelöst?
Thomas Meyer/Ostkreuz
10.03.2026
8Min

"Krieg soll nach Gottes Wille nicht sein." Der Satz, der 1948 von der Gründungsversammlung des Weltkirchenrats in Amsterdam ausging, drückt das Erschrecken über zwei Weltkriege aus, das die Delegierten aus vielen Kirchen verband. Seine eindringliche Kraft hat er bis heute nicht verloren. Trotzdem macht er die Diskussionen nicht überflüssig, die auch unter Christinnen und Christen geführt werden, wenn es um konkrete militärische Gewalt geht. Die neue Friedensdenkschrift der EKD und die Debatten darüber zeigen das deutlich.

Auch angesichts der Eskalation der Gewalt im Nahen Osten gibt es Klärungsbedarf. Das Erschrecken darüber teilen viele. In Gesprächen der vergangenen Tage haben Menschen ihre innere Zerrissenheit im Blick auf die Ereignisse beschrieben – eine Zerrissenheit, die ich selbst empfinde.

Zwei Erfahrungen mögen das verdeutlichen. Die erste war mein Kontakt mit der iranischen Freiheitsbewegung. Während der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar nahm ich an einer großen Demonstration zur Unterstützung der Menschen teil, die im Iran für Freiheit kämpfen. Laut Polizei demonstrierten damals in München rund 250.000 Menschen - darunter viele Exiliranerinnen und -iraner - friedlich gegen das Mullah-Regime. Die Mullahs haben in Iran Proteste brutal niedergeschlagen und dabei nach Schätzungen bis zu 30.000 Menschen getötet. Ich habe bei der Münchner Demo viele hoffnungsvolle Gesichter gesehen. Viele hofften auf Unterstützung von außen, um die Unterdrückung nach mehr als vier Jahrzehnten endlich zu überwinden.

Die zweite Erfahrung waren die Meldungen über den Angriff Israels und der USA. Am Morgen des 28. Februar war ich mit der Führungsspitze des Weltkirchenrats auf dem Weg vom vatikanischen Gästehaus St. Martha zur päpstlichen Bibliothek, wo wir mit Papst Leo verabredet waren. Alle schauten wir beim Gehen auf unsere Handys, um die Nachrichten von den in der Nacht begonnenen Angriffen zur Kenntnis zu nehmen und zu sortieren. Und natürlich waren sie dann auch das erste Thema bei unserem Gespräch mit dem Papst. Schon da war die Sorge groß, dass aus begrenzten Schlägen viel mehr werden könnte und es zu einem Flächenbrand im Nahen Osten kommen könnte.

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