28.05.2018

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

neulich surfte ich durchs Netz und landete auf Youtube, wo es einem rätselhaften Algorithmus gefiel, mir eine Dokumentation über das ICE-Unglück von Eschede vorzuschlagen. Ich klickte den Film an und war gebannt. Sofort erinnerte ich mich wieder an die schreckliche Trümmerwüste inmitten einer sommerlichen Landschaft. Dann wurde mir klar: Die Katastrophe, die so schlimm war, dass viele Menschen heute noch wissen, wo sie waren und was sie taten, als sie von dem Unfall hörten, jährt sich am 3. Juni, also kommenden Sonntag, bereits zum zwanzigsten Mal.

Die Ursachen des Desasters sind längst geklärt, auch daran erinnert die sehenswerte ARD-Produktion "Eschede – Zug 884". Aber eine Frage blieb: Wie kann Gott so etwas zulassen? Theodizee, so heißt die alte Frage nach der Gerechtigkeit Gottes.

Ich beschloss, mich auf die Suche nach Zeitzeugen zu machen. Dabei fand ich heraus, dass vor 20 Jahren Notfallseelsorger an den Unglücksort geeilt waren. Einer von ihnen war Pastor Frank Waterstraat. In unserem ersten Telefonat erzählte er mir, die meisten Erinnerungen seien nach zwei Jahrzehnten verblasst. Und darüber sei er auch ganz froh – so fürchterlich war das, was der Pastor gesehen hatte. Aber über Eschede und die Theodizee-Frage würde er gern sprechen. Und das taten wir auch.

Unglücke, an die sich ob ihrer Dimension jeder erinnert, prägen das Bild, das wir von der Arbeit der Notfallseelsorge haben. Tatsächlich aber überwiegen die Einsätze im Stillen – zum Beispiel, wenn die Polizei Angehörigen eine Todesnachricht überbringen muss. Von dieser unschätzbar schwierigen und wichtigen Hilfe erzählte mir Joachim Wittchen, Beauftragter für Notfallseelsorge in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover.

Wenn Notfallseelsorger wieder gehen, ist jeder gefragt, als Mitmensch. Wie wir das schaffen können, hat meine Kollegin Christine Holch erfragt. Und unsere stellvertretende Chefredakteurin Anne Buhrfeind hat vor einiger Zeit bereits mehrere chrismon-Geschichten zur Theodizee zusammengetragen.

Zugegeben: Es gibt leichtere Themen zum Wochenstart. Darum schließe ich mit einem Wort von Frank Waterstraat, der dabei war in Eschede und einen Gedanken aus dieser Zeit bewahrt hat: "Ich muss mir nicht sagen, dass es mir gut geht. Ich kann mich in der Mittagspause daran erfreuen, zehn Minuten in der Sonne zu sitzen, einfach so."

Ich wünsche Ihnen eine gute Woche!

Ihr

Nils Husmann

Redakteur

Ein PS. noch in eigener Sache: Sie haben sicher schon von der EU-Datenschutzverordnung, der DSGVO, gehört und gelesen. Bei uns brauchen Sie sich keine Gedanken zu machen, weil wir schon immer gut auf Ihre Daten aufgepasst haben und weiterhin gut aufpassen werden. Datenschutz ist uns wichtig. Das heißt konkret: Sie müssen sich um nichts kümmern und erhalten weiterhin unseren Newsletter.