Missbrauch
Pia und Anne wollen anderen Opfern Mut machen: "Gib nicht auf! Du schaffst es." Deshalb berichten sie hier
Patricia Morosan
Organisierter Missbrauch - auch von Vätern und Müttern
Es waren viele Männer – und die Mütter
Zwei Frauen berichten von sadistischer Gewalt, die sie als Kinder ­erlitten. Über Jahre. Sie sagen: Hätten Menschen genauer hingesehen, hätten sie etwas bemerken können.
Tim Wegner
William Minke
25.02.2019
23Min

Gespannt haben die beiden Frauen den Prozess verfolgt, vergangenes Jahr in Freiburg: Eine Mutter hatte ihren Sohn missbraucht, das Kind ihrem Partner ausgeliefert sowie gegen Geld weiteren Männern, jahrelang. Das Landeskriminalamt sagte: Noch nie habe man einen so schlimmen Missbrauchsfall . . . "Das war unser Alltag", sagen die beiden Frauen.

Es kostet sie viel Überwindung, aber sie wollen berichten, was ihnen angetan wurde. Damit Kinder gerettet werden. Weil Menschen genauer hinsehen. Denn man hätte etwas be­merken können.

Es sind nachdenkliche Frauen, klug und mit Humor begabt. Pia und Anne* wollen sie in diesem Text heißen. Kennengelernt haben sie sich vor Jahren über ein Forum. Was sie erlebten, trug sich in Berlin und im Osten Deutschlands zu, vor und nach der Wende.

Pia, heute 34, wuchs bei ihrer dauer­studierenden Mutter auf; der Missbrauch begann mit vier und endete mit 13. Anne, heute 44, kommt aus einem bildungsbürgerlichen Elternhaus, sie wurde ab dem sechsten Lebensmonat missbraucht.

Weil sie ahnen, dass das Erzählen zu Schmerzen und Flashbacks ­führen wird, haben sie sich Unterstützung organisiert für das Gespräch in Pias Wohnung. Stefan, Pias bester Freund, stellt sich vor: "Ich mach das Cate­ring." Er soll Coolpacks reichen, Wärmflaschen, Kaffee, Tabletten. Im Hintergrund an seinem Schreibtisch immer Pias Mann.

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Rat und Hilfe

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Ich selber und meine Tochte sind Sexuelle Missbrauch worden. Auch über viele Jahre. Heute bin ich 42 Jahre alt und meine Tochte 23 Jahre alt. Man kann leider die Vergangenheit nicht ändern. Wir Können alle nur nach vorschauen. Das einzige was bei uns der kleine Unterschied ist. Das ich diesen Menschen angezeigt habe und er auch in Haft und für 3,5 Jahre verurteilt wurde. Auch unsere Leben ist kaputt. Aber wir machen das beste draus. LG Gudrun

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Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich bin selbst Opfer, nicht von solchen Sachen, sondern von einem, der Vater. Und nicht so lange und nicht so schlimm. Ich will nicht vergleichen und nicht sagen, dass ich es kenne, weil es nicht so ist. Allerdings habe ich für mich neurofeedback nach Othmer, und zwar Synchronie, als Lösung gefunden. Und ich möchte es nur anmerken. Es ist keineswegs was Komisches, sondern eine direkte Reprogrammierung der Amygdala, das Angstzentrum im Gehirn. Man guckt auf einen Bildschirm ein Flugzeug an, und man ist nach ein paar Monaten einmal die Woche, ohne an den schlimmen Sachen denken oder drüber reden zu müssen, 'geheilt'. Auf jeden Fall ganz krass stabilisiert. Und ist wieder 'sich selbst'. Ich habe immer noch Panikattacken nach Trigger, aber mein Alltag ist anders, man ist stabil und fühlt sich 'sicher/normal/ruhig'. Ebenfalls kommen von ganz alleine Gefühle wieder. Ich war 35 Jahre 'tot', spürte werde Kälte noch Hunger noch Müdigkeit noch sonst was und es ist weg bzw. wieder da. Und TRE (nach Bercelli) für den Alltag, es verringert Spannungsschmerzen und Aufregung (durch Angst) und ist total easy und schnell. Es sind beide anerkannte Trauma Therapien, kein Esoterik oder Zeugs (ich hasse Esoterik wie die Pest).
Wäre es zu viel verlangt, diese Nachricht den beiden Frauen zu zu schicken?
Mit freundlichen Grüßen,
LD

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Vielleicht hilft mein Beitrag auch denen, die ihre Lösung noch nicht gefunden haben. Ich schaffte den Weg aus den Depressionen und Panikattacken erst, nachdem ich die Evolutionspädagogik gefunden habe. Zwar über die Ausbildung, aber der Hintergrund war ein anderer, weshalb ich die Ausbildung machte. Heute weiß ich über die Hirnforschung, wie die Methode funktioniert. Ich muss verstehen ... ;-)
Ich bin froh, dass ich heute ganz offen mit dem Thema umgehen kann und wünsche allen Betroffenen, dass sie ihre Lösung finden, wie immer sie auch aussehen mag.

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Lasst Mädchen abends alleine in Sicherheit nach Hause gehen!
Lasst Kinder (zumindest) in Sicherheit aufwachsen!
Lasst uns alle nicht wegsehen sondern zusammenhalten!

Ich verspreche es allen, die so etwas erleben mussten, ich schaue hin. Ich werde helfen, ich lasse niemanden alleine.
Anne und Pia, nicht eine Sekunde dürft ihr euch schämen. Mit eurem Mut habt ihr die Welt aufgerüttelt, vielleicht auch verändert.

Ihr habt Unvorstellbares überlebt und seid zu starken, intelligenten und emphatischen Frauen heran gereift. Ich finde das großartig, ich ziehe meine Hut vor euch!

Ich drücke eure kleinen, starken Herzen ganz fest und flüstere ihnen zu... „nicht eine Sekunden sollst du dich schämen, du bist so stark, so groß und würdevoll und unantastbar. Die kommen nicht an dich ran, niemals!“.

Die Täter müssen sich schämen, sie sind zu bemitleiden, sie haben ihr Recht verwirkt Mitglieder unserer Gesellschaft zu sein und gehören weggesperrt.
Bitte kämpft weiter, ihr habt so viele Supporter. Ich werde gerne helfen wo ich kann. Bitte lasst mir eine Kontonummer zukommen und ich leiste meinen Beitrag.

Ich verstehe dass eine Anzeige zu traumatisch ist für die Opfer, aber man sollte die Täter zumindest öffentlich „anzeigen“. Wie eine Art online Map (ähnlich wie in England)... Damit andere Kinder geschützt werden können. Ich finde den Gedanken schrecklich dass die Täter weiterhin frei und unbeobachtet sind.

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Mein Herz zerreißt heute morgen nachdem ich diesen Bericht gelesen habe. Wie kann man sich Mensch nennen und so etwas Kindern antun, das ist der eigentliche Virus von dem dieser Planet befreit werden muss. Verdammt ist das ein Sumpf. Zur hoelle mit all diesen Taetern. Noch nie wollte ich etwas so sehr wie das.