Wie haben Sie den Stromausfall im Süden Berlins erlebt? Das "BusStop Familienzentrum" liegt in Lichterfelde.
Holger Hendeß: Wir lagen mit unserer Einrichtung mitten in dem Gebiet, in dem am Samstag der Strom ausgefallen war. Wir haben sofort alle Hebel in Bewegung gesetzt und ein Notstromaggregat angeworfen. So konnten wir Suppe kochen und Räume beheizen. Heiße Getränke haben wir auch angeboten. Eine Wohnungsgesellschaft hat uns Geld gespendet, damit wir einkaufen konnten. Viele Nachbarn haben sich nicht nur aufgewärmt, sondern ebenfalls Sachen mitgebracht, zum Beispiel Decken.
Holger Hendeß
Was war den Menschen, die Hilfe gesucht haben, am wichtigsten?
Viele wollten schlicht ihre Handys aufladen. Ohne Handy fehlen ja auch Informationen, was los ist und wann es vielleicht wieder Strom gibt. Es stellte sich heraus: Das Netz war auch schlecht, viele Mobilfunkmasten waren ohne Strom oder überlastet. Es dauerte lange, bis mal eine WhatsApp-Nachricht durchging. Wir haben das Beste daraus gemacht und sind erst nach Hause, als am Samstagabend um zehn Uhr die Letzten gegangen sind.
Was war das Beste?
Die Leute sind ins Gespräch gekommen. War das wirklich eine linke Gruppe, die Sabotage betrieben hat? Wer kann noch dahinterstecken? Und vor allem: Wie kann man verhindern, dass sowas nochmal passiert? Es war hier in Berlin nun schon der zweite Vorfall dieser Art. Irgendwann haben die Menschen auch Spiele gespielt, "Mensch ärgere dich nicht!" zum Beispiel.
War es für die Hilfesuchenden etwas Besonders, dass Sie eine evangelische Einrichtung sind?
"Schön, dass ihr da seid!" – den Satz haben wir oft gehört. Und das motiviert auch. Was ebenfalls in all der Not schön war: Als ich am Samstagmorgen erfuhr, was los ist, rief ich drei Ehrenamtliche an. Und als ich dann in der Einrichtung ankam, hatten sie schon alles vorbereitet. Junge, Ältere – alle haben angepackt. Und: Es gab keine Pöbeleien, die Leute waren einfach froh über unsere Hilfe.
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Wie ist die Situation jetzt?
Seit Sonntag haben wir Strom, die benachbarte Siedlung hatte aber noch keinen. Deswegen waren wir gestern auch da. Heute hat sich die Situation nochmal mehr beruhigt.
