Luis und Alma
Die Geschwister Alma (3) und Luis (6) spenden sich auf körperliche Art und Weise Trost. Wer gibt und wer empfängt ändert sich dabei ständig.
Anne Ackermann
Feste in den Arm!
Was hilft, wenn es einem schlecht geht? Wer tröstet? Kleine Schwestern. Tanzen. Oder das Hündchen.
25.03.2021

Die Geschwister Luis und Alma

Wegen Corona ist alles komisch: mal ist Schule, mal nicht. Und Spieltreffen gibt’s nur mit ­demselben Freund, ­derselben Freundin. Klar streiten die ­Geschwister Luis, 6, und Alma, 3, auch mal. Aber das letzte Jahr hat die beiden auch zusammengeschweißt. Luis wurde zum Alma­flüs­terer: Wenn keiner sie mehr erreicht – auf den großen Bruder hört sie. Und wenn Luis traurig ist, ­versucht Alma ihn aufzuheitern. Mit Küsschen oder Umarmungen.

Sandra Hasanovic

Plié, demi-plié, grand-plié – eigentlich sollten hier gerade lauter Kinder Ballett lernen. Aber derzeit unterrichtet Sandra Hasanovic, 38, digital. Nur gut die Hälfte der Kinder macht mit. Wie sie sie vermisst! "Ich habe Glück, dass die meisten Familien mich weiter unterstützen", sagt sie. Finanziell – und mit E-Mails: "Halte durch, wir freuen uns wiederzukommen." Sandra hat immer viel gearbeitet und gespart. "Das kommt mir jetzt zugute." ­­ Sie habe ein tiefes Urvertrauen, dass alles wieder gut wird. "Das Leben hat mich bisher noch nie so enttäuscht, dass ich nicht mehr weiterwusste. Wieso sollte es jetzt anders sein?" Und dann tanzt sie in ­ihrem leeren Studio zu lauter Musik.

 

Dorothee und Rolf Stabenow mit ihren Kindern Frieda, Johanna und Vincent

Im Dezember ­erkrankte er an ­Covid-19, angesteckt habe er sich wohl bei der Arbeit. Rolf Stabenow, 38, ist Anästhesist und Intensivmediziner. Schüttelfrost, ­Fieber, Gliederschmerzen – und dann ­bekam er eines Nachts Atemnot. Sechs Wochen ging es ihm schlecht. "Ohne meine Familie wäre es sehr ­unschön gewesen, das durchzustehen", sagt er, ohne Dorothea, 38, die zehnjährige Frieda, ­Johanna, 8, und Vincent, 5. Die Mädchen hielten, als er nicht mehr ansteckend war, Krankenwache, sie setzten sich abends vor sein Bett und passten auf den Papa auf.

Johanna Flory mit Hund Bienchen

"Die Pandemie ist für mich ­schlimmer als der Krieg, weil wir eingesperrt sind", sagt Johanna ­Flory, 82. Im ­Dezember starb ihr Hund Bienchen nach 15 gemeinsamen Jahren. Die Oma ohne Hund? Geht gar nicht – und so besorgte Johannas Enkelin übers Internet ­diesen Chihuahua: Bienchen Zwei, 13 Jahre alt. "Selbst wenn sie nicht mehr bellen kann, fühle ich mich nie allein mit ihr", sagt ­Johanna, "Hunde sind treuer als ­jeder ­Kamerad."

Anne Ackermann

Anne Ackermann, Foto­grafin, hat für die Produktion ­dieser Strecke öfter Johanna, die Rent­nerin, und ihren ­kleinen Hund besucht. "Es war schön zu ­erleben, dass die Zeit, die ich mit ihr verbracht habe, ­etwas Kostbares und Tröstendes für sie war."

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