Zu alt für die Politik?
Zu alt für die Politik?
J. Scott Applewhite / AP / Picture Alliance
Zu alt für die Politik?
Die Aussetzer von Joe Biden (80), Donald Trump (77) und des republikanischen Senators Mitch McConnell (81) sind besorgniserregend. Eine Altersgrenze für Spitzenpolitiker ist dennoch der falsche Weg.
08.08.2023

US-Präsident Biden (80) schwächelte schon öfter, schaffte es nicht mehr alleine in sein Jackett oder stammelte in Mikrofone. Der einflussreiche amerikanische Senator Mitch McConnell (81) starrte vor einigen Wochen bei einer Pressekonferenz 19 Sekunden wie eingefroren in die Kamera, ohne ein Wort zu sagen. Es ist besorgniserregend, wenn so mächtige Politiker nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte zu sein scheinen.

In Deutschland gibt es Altersgrenzen in der Politik, die sind durchaus kurios: Man kann mit 18 Bundeskanzler werden, aber bayerischer Ministerpräsident erst ab 40. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU, 69) darf zwar die Regierungsgeschäfte leiten, aber nicht mehr (hauptamtlicher) Bürgermeister werden. Für die ist in Sachsen-Anhalt mit vollendetem 67. Lebensjahr Schluss. Andere Bundesländer setzen Bürgermeistern und Landrätinnen gar keine Altersgrenzen. Auch für Bundestagsabgeordnete gibt es keine Altersgrenze. Die ältesten Abgeordneten sind aktuell Alexander Gauland (AfD, 82), Albrecht Glaser (AfD, 81) und Wolfgang Schäuble (CDU, 80).

Ein gutes Argument gegen eine Altersgrenze ist der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt. Der schied zwar mit 68 Jahren aus dem Parlament aus, war aber noch mit 96 schlagfertig und geistig hellwach.

Tim Wegner

Constantin Lummitsch

Constantin Lummitsch ist chrismon-Redakteur. Er studierte Germanistik und Geschichte an der Uni Gießen und arbeitete für Magazine und Tageszeitungen. Er schreibt am liebsten Reportagen, oft über Trauriges ­­– aber lieber über Heiteres.

Auch außerhalb der Politik leisten Menschen im Rentenalter Außergewöhnliches, etwa der Regisseur Ridley Scott (85), die Fotografin Annie Leibovitz (73) oder der Künstler Gerhard Richter (91). Wer seine Leidenschaft zum Beruf macht, will oft so lange arbeiten, wie es der Körper zulässt. Bei Senator Mitch McConnell hat der Körper gestreikt. Hat er sich überfordert? Gesteht er sich seine offensichtliche Gebrechlichkeit nicht ein - wie so viele mächtige Männer, die nicht loslassen können? Können sich Menschen wie McConnell überhaupt ein Leben außerhalb der Politik vorstellen?

Eine Altersgrenze für Spitzenpolitiker ist der falsche Weg. Sie würde Polit-Junkies wie McConnell bevormunden und fitte Hochbetagte ungerechtfertigt ausschließen. Was wir aber von den Amerikanern lernen können, wäre eine Limitierung der Amtszeiten für Staatschefs – statt einer Altersgrenze. 16 Jahre Kohl, 16 Jahre Merkel ­­­– das war einfach zu lang. Unabhängig vom biologischen Alter der beiden.

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