Laufen in der Skid Row von LA
Emilia Benkert
Raus aus der Abhängigkeit in der Skid Row
Der US-amerikanische Richter Craig Mitchell hat ein besonderes Laufprojekt ins Leben gerufen. Die Erfahrungen zeigt die Gruppe im Dokumentarfilm "Skid Row Marathon".
Mark Hayes
10.02.2023

Vor 11 Jahren starteten wir mit wenigen Läufern, mittlerweile nehmen an jedem Lauf über 50 Läufer teil. Der Skid Row Running Club ist für mich eines der wichtigsten Dinge, die ich in meinem Leben getan habe. Ziel ist, den Menschen, die einen Entzug von ihrer Alkohol- und Drogensucht machen, eine Gemeinschaft zu ermöglichen. Und sie von der Straße zu bekommen, falls sie obdachlos sind. Dreimal pro Woche haben die Läuferinnen und Läufer die Gewissheit, unter Menschen zu sein, die ganz ähnliche Erfahrungen und Herausforderungen erlebt haben wie sie selbst. Sie erhalten Unterstützung und Liebe, die ihnen oft im Leben gefehlt hat.

Jedes Jahr reisen wir zu einer internationalen Marathonveranstaltung. Im Februar 2023 geht es für 60 Läuferinnen und Läufer des Clubs nach Neu-Delhi, um dort einen Marathon zu laufen. Für viele wird es der erste Flug und die erste Auslandsreise sein - Erfahrungen, die sich die Reisenden während der Zeit ihrer Abhängigkeit nie erträumt hätten.

Perspektiven schaffen: Hilfe bei Arbeits- und Wohnungssuche

Neben dem Laufen sind wir in anderen Bereichen aktiv: Wir verschaffen Arbeitsplätze in ganz Los Angeles, etwa beim Amt für Wasserkraft und auch in privaten Firmen. Fünf unserer Läuferinnen und Läufer arbeiten für eine Vereinigung, die sich um die medizinische Versorgung Obdachloser kümmert.

Mark Hayes

Craig Mitchell

Craig Mitchell ist Richter am Obersten Gericht von Los Angeles. Vor 11 Jahren gründete er in der Stadt den Skid Row Running Club. Mittlerweile nehmen an jedem Lauf über 50 Läufer teil. Ziel ist, Menschen in ihrem Alkohol- und Drogenentzug in der Gemeinschaft zu unterstützen.

Unser Programm mit dem Namen "Share" vergibt feste Unterkünfte in sicheren Gegenden an Obdachlose. Auch dies hat sich für die Betroffenen aus der Teilnahme am Skid Row Running Club ergeben.

Für uns war es eine schöne Überraschung, als uns die Laufgruppe aus Freiberg in Sachsen besucht hat - eine internationale Bestätigung für das Projekt. Die 27 deutschen Läufer setzten hierfür ihre Kopfhörer ab, hörten zu, versuchten, die Sprachbarrieren zu überwinden. Einige Situationen haben sich besonders eingeprägt, etwa wenn einzelne Läufer nach fünf bis sechs Meilen auf dem Gehweg standen, gegenseitig E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Namen ausgetauscht haben. Dies hat bei jedem unserer Läufer ein Gefühl von Bedeutsamkeit und Wertschätzung hinterlassen - genau das, was unser Programm den Läufern mitgeben möchte.

Wir haben die Erfahrungen in einem Dokumentarfilm verarbeitet. "Skid Row Marathon" wurde auf der ganzen Welt gesehen. Immer wieder kommen Läufer nach Los Angeles, weil sie gerne einmal gemeinsam mit den Skid-Row-Läufern laufen wollten. So eine große Gruppe wie die aus Freiberg hat uns bisher noch nicht besucht. Wir hatten aber schon Läufer aus England, Australien und Indonesien hier. Als der Dokumentarfilm zum ersten Mal in Deutschland gezeigt wurde, durfte ich den Berlin-Marathon laufen - eine wundervolle Erfahrung. Vielleicht wird irgendwann auch die Skid-Row-Laufgruppe aus Los Angeles zu Besuch in Deutschland sein. Das Laufen geht weiter.

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