Sinksar Ghebremedhin
Sinksar Ghebremedhin, Student an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und Mitgründer des Gemeinschaftsprojekts "Students4Refugees" (S4R) der LMU und der Hochschule München. Seine Eltern stammen aus Eritrea, er ist in Deutschland geboren.
SZ Photo/Alessandra Schellnegger
Migration ist keine Einbahnstraße
Die Bundesregierung will Fachkräfte mit einem Einwanderungsgesetz nach Deutschland holen. Das könnte den Herkunftsländern schaden.
Sebastian DrescherPrivat
08.10.2018

Deutschland wird Einwanderungsland. Ganz offiziell, per Gesetz. Gut so. Wir exportieren in alle Welt, legen Aus­ländern bislang aber viele Steine in den Weg, wenn sie hier eine Arbeit finden wollen. Für Akademiker und Facharbeiterinnen von außerhalb der EU soll das bald einfacher werden. Das freut die Wirtschaft, die dringend Fachkräfte braucht.

Sebastian DrescherPrivat

Sebastian Drescher

Sebastian Drescher ist freier Journalist 
für das entwicklungspolitische Magazin "Weltsichten".

Was dabei nicht bedacht wird: Migration ist keine Einbahnstraße. Wer Ärzte, Ingenieurinnen oder ­Informatiker anwirbt, schadet ­womöglich den Herkunftsländern, weil dort deren Arbeitskraft fehlt. "Brain drain" nennt sich das – und ist besonders für Entwicklungsländer ein Problem. Arbeitsmigration kann aber auch Gutes bewirken, zum Beispiel wenn Auswanderer Geld an die Familien in der Heimat überweisen oder irgendwann mit mehr Wissen und neuen Ideen im Gepäck zurückkehren.

Um das zu fördern, sollte Deutschland mehr Visa und Stipendien zum Beispiel für afrikanische Studierende vergeben. Oder ungelernte, aber motivierte Menschen zur Ausbildung ins Land holen. Dass das funktioniert, beweisen die ­jungen Asylbewerber, die auf der Suche nach einem besseren Leben gekommen sind – und nun als ­Azubis freie Stellen im Handwerk und in der Industrie besetzen. Man stelle sich nur mal vor, sie hätten statt auf einem Schlepperboot über das Mittelmeer legal nach Deutschland kommen können.