Tara Wolff
Frau Oberleutnant zur See
Frau Oberleutnant zur See - sie trägt gern Verantwortung. Aber dass sie oft auch privat Führungskraft sein soll, nervt sie
Tim Wegner
12.02.2013

Tabea M., 25:

„Jetzt stell doch diesen Bundeswehrschritt ab und lauf normal“, hat meine Mutter anfangs oft gesagt. Auch heute noch, wenn ich mit zivilen Freunden durch die Stadt gehe und in meinen Gedanken versinke, heißt es: „Lass uns mal gechillt gehen, wir sind nicht auf dem Marsch!“ Bei Märschen hat man wirklich einen angezogenen Schritt. Da muss man pro Stunde sechs Kilometer schaffen, mit 15 Kilo Gepäck und oft noch einem Gewehr mit über 3,5 Kilo.

Meine zivilen Freunde haben sich daran gewöhnt, dass ich bei der Bundeswehr bin. Aber sobald ich jemanden neu kennenlerne, zum Beispiel im Fußballverein, kommt die Frage: Bundeswehr, warum das denn? Und dann noch für 15 Jahre verpflichtet? Den Umgang mit Waffen können sich auch viele nicht vorstellen. Klar, mir wäre es auch am liebsten, wenn wir keine Bundeswehr bräuchten. Und es gibt Einsätze, wo ich denke: Hätte man anders entscheiden können. Aber die Entscheidung liegt beim Parlament und nicht bei der Bundeswehr. Und das ist auch gut so.

Ich wollte immer einen Beruf, der mich auch körperlich fordert und in dem ich schon in jungen Jahren Verantwortung über­nehmen kann. Ich war früher immer Klassensprecherin und Schul­sprecherin. Insofern hat es meine Eltern nicht überrascht, als ich sagte, ich will nach dem Abitur zur Bundeswehr und Offizier werden bei der Marine. Aber erschrocken sind sie doch. Mein Vater, Pfarrer von Beruf, hat selber Wehrdienst abgeleistet und dabei sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Aber das war eine andere Bundeswehr als heute. Heute erklärt man, warum ein Auftrag erledigt werden muss. Wenn es allerdings heißt, jetzt machen wir die und die Ausbildung, den und den Anzug dafür anlegen, zwei Minuten Zeit, zack, zack – dann ist das eben so.

Nachtwache auf der Gorch Fock: Regen, man friert, kämpft gegen den Schlaf

Dass ich von meinem ersten Jahr, der Basisausbildung, wenig erzählt habe, lag aber daran, dass ich diese Eindrücke keinem näherbringen konnte, der nicht dabei war. Wie das ist, wenn man nachts um eins auf der „Gorch Fock“ Wache hat: stockfinster, Wind, man kämpft gegen Schlaf, friert, Regen, ständig kommen irgendwelche Wellen über die Bordwand und machen einen zusätzlich nass. Körper und Psyche sagen: Bis hierhin und nicht weiter. Aber man hat noch drei Stunden vor sich. Und dann geht es doch noch ein bisschen weiter. Das ist ein tolles Erfolgserlebnis.

Man muss Menschen mögen, wenn man bei der Bundeswehr ist. Das geht schon damit los, dass man nie alleine ist, bei der Marine sowieso nicht. Da ist Privatsphäre auf den Vorhang beschränkt, den man vor seine Koje ziehen kann – vielleicht mehrere Monate lang, wenn ich im Einsatz wäre.

Gerade habe ich an der Bundeswehruni Hamburg meinen ­Mas­ter in Politikwissenschaften gemacht. Demnächst werde ich zum Hubschrauberpiloten ausgebildet. Jede Fregatte hat ja Hubschrauber an Deck; ruft ein Schiff um Hilfe, weil Piraten angreifen, kann ein Hubschrauber schneller dort sein als eine Fregatte. Aber weil es technische Probleme bei den Hubschraubern gab, muss ich noch warten, bis ich mit der Ausbildung drankomme. Deshalb schreibe ich jetzt meinen Doktor, über Piraterie und maritimen Terrorismus und warum das Thema in Deutschland verkannt wird.

Muss ich mich auch privat offizierslike einbringen?

Die Ausbildung zur Führungskraft habe ich schon hinter mir. Da lernten wir zum Beispiel, wie man Entscheidungsprozesse beschleunigt. Aber ich frage mich, ob ich mich auch privat offiziers­like einbringen muss. Wenn meine Freunde sich nicht entscheiden können, sagen sie oft: Hier, entscheide das doch mal! Oder die Gruppe sagt: Wir treffen uns. Und ich denke: Wann? Wo? Wer kommt alles? Was muss besorgt werden? Da bleibt die Planung öfter an mir hängen. Nach dem Motto: Das ist doch quasi dein Beruf als Offizier. Jetzt sage ich auch mal: Heute möchte ich mal nicht entscheiden, schleppt mich einfach mit und gut is’. 

Manchmal wurmt es mich schon, dass ich auch privat als Soldat angesprochen werde. Wenn im Fußballverein Liegestützen gemacht werden, muss ich mindestens 20 machen. Wenn das jemand anderes schafft, heißt es: „Boah, krass!“ Und zu mir: „Das musst du können, du sollst doch unser Land verteidigen.“

Aber beim letzten Treffen mit den alten Klassenkameraden sagte ein Freund zu mir: „Ich bin total stolz auf dich! Du hast von uns allen bisher am meisten geschafft.“ Da war ich baff.

Protokoll: Christine Holch

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Mütze schief, Hemd zu groß und dann keine Offiziersterne auf der Schulter? Hoffentlich eine gestellte Aufnahme aus dem Kostümverleih und kein wirkliches Führungspersonal. Ansonsten netter Bericht, danke!

Antwort auf von Helmchen (nicht registriert)

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alles echt,  Mensch und Uniform, bei uns wird nicht gefaked. Und das Rangabzeichen stimmt auch.

Beste Grüße aus der chrismon  Fotoredaktion

 

 

 

 

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Marineoffiziere im Truppendienst tragen als Zeichen Ihrer Laufbahn einen Seestern.

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