Foto: Universal Pictures
04.12.2012

 

Anna Karenina (GB 2012)

Sie ist die vermutlich berühmteste Ehebrecherin der europäischen Literatur; zig Bühnenfassungen und Verfilmungen hat es vom Roman von Leo Tolstoj schon gegeben. Regisseur Joe Wright hat das Gesellschaftsbild aus dem zaristischen Russland zwar opulent verfilmt – aber das Geschehen auf eine Theaterbühne verlagert. Es ist eine überraschende, aber überzeugende Regieentscheidung. Das Gehabe der feinen Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts wird dadurch wie in einem Labor vorgeführt und wirkt unecht und dekadent – ein Schauspiel, das keine Privatsphäre zulässt. Und die grandiose Keira Knightley spielt Anna als hinreißende Neurotikerin.

Regie: Joe Wright. Buch: Tom Stoppard. Mit: Keira Knightley, Jude Law, Aaron Taylor-Johnson, Matthew Macfadyen, Emily Watson. Länge; 130 Minuten. FBW: besonders wertvoll. FSK: 12, ffr.

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Müll im Garten Eden (Deutschland 2012)

Langzeitdoku von Fatih Akin: In der friedvollen Stille des Küstenorts Camburnu der in türkischen Provinz Trabzon am Schwarzen Meer wird eine Mülldeponie gebaut – gegen den Willen und den Protest der Bevölkerung. Akins Dokumentarfilm, gedreht von 2007 bis 2012, führt eine verheerende Umweltkatastrophe vor Augen: Die Abwässer landen einfach im Meer. Unerträglicher Gestank, ein verschandeltes Dorf, das permanent von den schwarzen Abwässern der Deponie heimgesucht wird, und weitere Umweltzerstörungen rufen eine dörfliche Widerstandsbewegung auf den Plan, die allerdings ohnmächtig den Gegnern Staat und Verwaltung gegenüberstehn. Akins Film erzählt von Zivilcourage, die (bislang) an den Realitäten scheiterte.

Regie, Buch: Fatih Akin.  Länge: 85 Minuten.  FSK: keine Angabe

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7 Psychos (GB 2012)

Colin Farrell könnte sich mit diesem Film  Humphrey Bogart die Hand geben. Beide haben  Drehbuchautoren gespielt - Bogart in „Ein einsamer Ort“ (1950) -, die  Karriere in der Traumfabrik machen wollen, aber deren Verlockungen erliegen und im Dienste von Studios und Produzenten arbeiten. Auch Marty Flanaran (Farrell) erleidet ein typisches Hollywoodschicksal: ein bisschen Erfolg, aber jetzt steckt er in der Schaffenskrise. Er hat zwar schon einen Titel für sein neues Drehbuch, „7 Psychopaths“, aber ihm fällt nichts ein, und er flüchtet sich in Alkohol. Von Martin McDonagh stammt der skurril-doppelbödige Gangsterfilm „Brügge sehen … und sterben“, und erneut treibt er in „7 Psychos“ so lange ein doppeltes Spiel, bis sich ironische Volten und echte Gefühle nicht mehr voneinander trennen lassen.

Regie, Buch: Martin McDonagh.  Mit: Michael Pitt, Michael Stuhlbarg, Sam Rockwell, Colin Farrell, Abbie Cornish, Christopher Walken, Helena Mattsson.  Länge: 110 Minuten. FSK: ab 16 Jahre

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Ralph reicht’s (USA 2012)

Er ist ein Schurke wider Willen: Weil niemand ihn einlädt, möchte der Bösewicht eines Videospiels in einem anderen endlich zum Helden werden. Ralph gibt nämlich „Wreck-It-Ralph“, der mit seinen Riesenfäusten im Videospiel alles zertrümmert. Das Schlimme für Ralph ist allerdings, dass sich seine Diskriminierung auch nach Feierabend fortsetzt. Denn wenn der Spielsalon geschlossen ist, haben die Figuren Freizeit und können ihr eigenes Leben leben. Und da Ralph ausgegrenzt wird, geht er zu der AA-Variante „Bad Anon“, wo alle Bösewichter sich ihre Frustrationen vom Leib reden. Gelungener Animationsfilm aus dem Hause Disney mit einem selbst reflektierenden Protagonisten – und eine Hommage an die pixeligen Spiel der 80er Jahre.

Regie: Rich Moore. Buch: Jennifer Lee, Phil Johnston. Länge: 108 Min. FSK: ohne Altersbeschränkung

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