Wer für gute Zwecke etwas spendet oder sich sonst um das Gemeinwohl verdient macht, tut das selten im Verborgenen, sondern sorgt schon dafür, dass es bekannt wird. Frei nach dem Motto: "Tue Gutes und rede drüber!" In den letzten Jahren haben wir als Christen an dieser Stelle viel lernen müssen. Zum Beispiel, dass unsere Kirche neben allen geistlichen Dimensionen auch ein gutes Management braucht und verdient. Dass die Vereine, Stiftungen und Förderzwecke, die wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, gut geführt und kompetent dargestellt werden müssen. Sonst tröpfelt das Geld nur in Almosengröße, weil die Geber uns nicht zutrauen, mit den eingehenden Mitteln professionell, kompetent und verantwortlich umzugehen. Kurzum: Die linke Hand sollte exakt wissen, was die rechte tut!
Aber auf einer anderen Ebene ist das Wort Jesu sinnvoll: Wer spendet, wer Geld gibt, der will oft genug nicht nur den anderen helfen, sondern auch sich selbst. Zwar posaunt selten jemand exakt die Höhe seiner Spenden heraus, aber ein kleines Stückchen öffentliche Würdigung, ein spürbares Stückchen Dankbarkeit des Pastors, diese kleinen Streicheleinheiten für die Seele, das erwartet der Spender für seine gute Tat dann doch! Und den Dank soll er haben, denn Undankbarkeit ist schließlich keine besondere protestantische Kulturleistung. Aber: Wer nur gibt und hilft, weil er gestreichelt werden will, der hat tatsächlich seinen Lohn schon gehabt (Matthäus 6, 5). Das heißt, der braucht bald andere Felder der Bestätigung, der sucht sich andere Formen der Selbstbefriedigung. Deswegen ist die eigentlich geistliche Aufgabe in dieser ganzen unvermeidlichen Ökonomisierungsphase der Kirche, dass wir dankbar und souverän bleiben auch bei Großspendern. Dass wir würdigend und frei bleiben gegenüber jeder Gabe, denn wir glauben letztlich an den schönen Bibelsatz: "Den fröhlichen Geber hat Gott lieb." (2. Korinther 9, 7)

