28.01.2019

Liebe Leserinnen und Leser,

jeder möchte frische Luft, klar. Und trotzdem streiten wir erbittert darüber, wie gut die Luft denn sein soll. Mehr als 100 Lungenfachärzte haben sich über die "Bild"-Zeitung an die Öffentlichkeit gewandt; sie behaupten, die Grenzwerte für Stickoxide seien übertrieben niedrig. Besitzer von Autos mit Dieselantrieb hoffen, dass sie um Fahrverbote herumkommen. Die wiederum hatte die Deutsche Umwelthilfe um ihren Geschäftsführer Jürgen Resch in vielen Gerichtsverhandlungen eingeklagt – nachdem die Politik (beteiligt waren übrigens auch Politiker, die nun vehement gegen zu strenge Bestimmungen wettern) die Grenzwerte vor Jahren in Gesetze gegossen hatte. Was für ein Theater! Gewinner: die Autoindustrie, die ihre Kunden mit Schummelsoftware übers Ohr gehauen hat. Aber darüber redet keiner mehr. Anders als übers Tempolimit auf Autobahnen, für das es in Umfragen eine knappe Mehrheit gibt. Ob das den Verkehrsminister umstimmt, der sich in seinem Menschenverstand beleidigt fühlt?

Jürgen Resch ist es schon gewohnt, angefeindet zu werden. Er hält das aus – und hat bislang noch jeden Prozess gegen die Autoindustrie gewonnen, die jedes seiner Worte auf die Goldwaage legt. Fernando Barkow dagegen leidet darunter, in Krün, einem Dorf in Oberbayern, als "Persona non grata" zu gelten. Er verschickt Massenmails, in denen er vor der Feinstaubbelastung durch Holzöfen warnt. So einen Ofen hat in Krün nämlich fast jeder – klar, dass Barkow sich mit seiner Meinung keine Freunde macht. Obwohl: So ganz allein ist er nicht mehr mit seiner Meinung... Ich habe Fernando Barkow besucht, um mehr über einen Menschen zu erfahren, der nicht auf der großen politischen Bühne, sondern zu Hause, in seiner Heimat, aneckt.

In der Debatte um Dieselfahrverbote und Stickoxide gerät das Thema Feinstaub etwas aus dem Blick. Dabei gelten die Miniteilchen in der Luft als sehr gesundheitsschädlich. Und eine große Feinstaubquelle sind Holzöfen, da hat Herr Barkow aus Bayern schon recht. Die wichtigsten Fragen und Antworten über den Dreck aus den Öfen habe ich für Sie zusammengestellt.

Natürlich stammt Feinstaub nicht nur aus Kaminen. Auch die Viehhaltung gilt als Großemittent, weil Ammoniak aus der Gülle in der Luft mit anderen Teilchen (unter anderem Stickoxiden aus dem Autoverkehr) zu Feinstaub wird. Eine naturnähere Landwirtschaft, weniger Massentierhaltung und Verzicht auf Fleisch können unsere Luft frischer machen. Hier ist auch die Europäische Union gefragt, die gerade ihre Agrarpolitik neu ordnet. Leider bremst die Bundesregierung Ideen, wie sie Ökobäuerin Claudia Gerster formuliert, in Brüssel eher aus.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche. Und ja, ich weiß, dass die Abende im Winter gemütlicher sein können, wenn man sich an den warmen Kachelofen lehnt. Vielleicht leben Sie ja in einem der 11,7 Millionen Haushalte mit einer "Einzelraumfeuerungsanlage", dann wissen Sie, wovon ich schreibe. Dennoch: Lassen Sie den Ofen doch einfach mal aus – die Nachbarn werden es Ihnen danken.

Herzliche Grüße

Nils Husmann

Redaktion chrismon