Der Film "Styx" kommt in die Kinos.
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Vier interessante neue Filme im Kino - ausgewählt von der Redaktion von epd-Film.
13.09.2018

Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm


Nach dem durchschlagenden Erfolg von Bertolt Brechts Theaterstück "Die Dreigroschenoper", soll das Stück fürs Kino adaptiert werden. Die Vision des Dichters von einer radikalen, politischen, pointierten, natürlich auch sexuell deutlichen Leinwandoper, teilt Produzent Seymour Nebenzahl gar nicht. Er engagiert neue Drehbuchautoren, und es kommt zum Gerichtsprozess. Mit einer Vielzahl deutscher Leinwandgrößen (etwa Lars Eidinger als Brecht) inszeniert Regisseur Joachim A. Lang die Geschehnisse in einem hochkomplexen Erzählgefüge, das Brechts Kunsttheorie ernst nimmt und im besten Sinne zu erstaunen weiß.

Regie und Buch: Joachim A. Lang. Mit: Lars Eidinger, Tobias Moretti, Hannah Herzsprung, Joachim Król, Claudia Michelsen, Robert Stadlober. Länge: 130 Min. FSK: ab 6 Jahren. (epd)


Styx


Eine deutsche Ärztin segelt in ihrem Urlaub mit einer Yacht von Gibraltar zur südatlantischen Insel Ascension. Auf ihrer einsamen Fahrt gerät die patente, selbstsichere Frau in einen Sturm und entdeckt am nächsten Morgen in ihrer Nähe ein Flüchtlingsboot. Auf Funknotrufe und Leuchtraketen gibt es keine befriedigende Antwort, die Küstenwache ist überfordert. Soll sie eingreifen und helfen? Regisseur Wolfgang Fischer setzt bei einer hochaktuellen moralischen Diskussion an. Die Stärke seines Films liegt darin, wie er das Thema Flucht und Rettung einer Extremsituation verdichtet, ohne seine Komplexität herunterzuspielen.

Regie: Wolfgang Fischer. Buch: Wolfgang Fischer, Ika Künzel. Mit: Susanne Wolff, Gedion Oduor Wekesa, Felicity Babao. Länge: 94 Minuten. "Styx" ist Film des Monats September der Evangelischen Filmjury. (epd)


Leave no Trace


Will lebt mit seiner 13-jährigen Tochter Tom in den Wäldern. Ihre Obdachlosigkeit ist für die beiden tägliche Routine. Als einige Ranger sie aufspüren, sie getrennt und separat befragt werden, empfinden sie diese Erfahrung zunächst als traumatisch. Doch Tom beginnt, die sich entfaltende Situation zu genießen, denn die Behörden verschaffen der Familie eine Wohngelegenheit und Arbeit. Will hingegen zieht es in die Einsamkeit zurück. Debra Granik ("Winter’s Bone") liefert erneut eine intensive Außenseitergeschichte, die emotional wie sozialpsychologisch in die Tiefe geht.

Regie: Debra Granik. Buch: Debra Granik, Anne Rosellini (nach einem Roman von Peter Rock). Mit: Ben Foster, Thomasin McKenzie, Dana Millican. Länge: 109 Minuten. (epd)


Glücklich wie Lazzaro


In einer abgelegenen Region Italiens lebt eine kleine Gemeinde noch wie unter feudaler Herrschaft. Ausgebeutet von einer Großgrundbesitzerin, der Gräfin, finden die Ungebildeten nicht aus ihrer Abhängigkeit heraus. Unter den Bauern ist auch ein junger Mann namens Lazzaro, der stets gut gelaunt allen zur Seite springt - und nicht merkt, dass er ausgenutzt wird. Drehbuchautorin und Regisseurin Alice Rohrwacher lässt den Zuschauer die Welt aus Lazzaros naiver Perspektive betrachten. Die Heiligengeschichte, die in seinem Namen steckt, wird auf die Gegenwart übertragen, Sozialrealismus trifft auf magische Poesie mit einer zutiefst humanistischen Botschaft im Kern.

Regie und Buch: Alice Rohrwacher. Mit: Adriano Tardiolo, Agnese Graziani, Luca Chikovani, Alba Rohrwacher, Sergi López. Länge: 125 Minuten.

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